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Zinsen im Keller – wie sollen Familien noch Vermögen aufbauen?

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Die extrem niedrigen Zinsen haben Vor- und Nachteile. Die Vorteile betreffen all diejenigen, die sich Geld leihen wollen, da der niedrige Leitzins niedrige Kreditzinsen bedingt. Und die Nachteile? Die treffen jeden, der tatsächlich eigenes Geld angespart hat und dieses natürlich vermehren möchte. Die frühere Möglichkeit, das Geld einfach auf das Sparbuch einzuzahlen und über Jahre mittels Verzinsung zu vermehren, funktioniert nicht mehr. Auch Tagesgeldkonten lohnen sich zinstechnisch teilweise nicht. Wie also können Familien für die Zukunft vorsorgen? Dieser Artikel gibt einige Einblicke.

Warum liegen die Zinsen so niedrig?

Das ist eine Frage, die sich viele Privatpersonen stellen. Dabei ist die Antwort relativ einfach. Da der Leitzins aktuell und bereits seit einiger Zeit bei 0,00 Prozent liegt, erhalten die Banken sehr günstiges Geld von der Zentralbank. Aber von vorne:

  • Bankenkrise – als es zwischen 2007 und 2009 zu einer weltweiten Finanzkrise kam, griffen die Zentralbanken ein und verringerten den Leitzins. Das betraf etliche Länder, darunter natürlich Deutschland. Durch die niedrigen Zinsen sollten wirtschaftlichen Folgen der Krise beseitigt werden.
  • Staatsverschuldung – auch diese ist ein Grund für die Niedrigzinsen. Da auch die Staaten Zinsen auf Schulden zahlen, wird die Zinslast durch einen niedrigen Leitzins gesenkt. Dies sollte gerade Staaten in finanzieller Schieflage helfen, überhaupt ihre Schuldenlast stemmen zu können.

In der Folge erhalten auch die Sparer weniger Zinsen, wenn sie überhaupt noch welche bekommen. Mussten die Banken damals mit dem Geld ihrer Kunden arbeiten und belohnten sie praktisch mittels der Verzinsung für das Sparen, erhalten die Banken das benötigte Geld heute mühelos und günstiger bei der Zentralbank. Die Folgen sind drastisch, denn nicht nur wissen viele Anleger nicht, wie sie ihr Erspartes gewinnbringend anlegen können, auch die Motivation, überhaupt regelmäßig Geld beiseite zu legen, sinkt. Kein Wunder, denn die niedrigen Zinssätze für Sparer liegen unterhalb der Inflationsrate – der Sparer gewinnt also nicht, sondern verliert Geld.

Was können Familien alternativ tun?

Das Sparen auf dem üblichen Sparbuch, einem Tagesgeldkonto oder auch auf einem festen Sparkonto dient aktuell also nicht mehr dazu, Geld gewinnbringend anzulegen. Unter Umständen können diese Sparvarianten jedoch immer noch geeignet sein, aber dazu mehr. Möchte eine Familie ihr Erspartes tatsächlich anlegen und – wenn möglich – einen Gewinn erwirtschaften, gibt es folgende Modelle:

  • Eigenheim – die Anlage in eine selbst genutzte Immobilie ist natürlich immer vorteilhaft. Hier geht es jedoch weniger um die Vermehrung des Vermögens, sondern um die dauerhafte Einsparung der Miete und den Erwerb von Eigentum. Je nach Wohnlage und Entwicklung der Umgebungsstruktur kann das Eigenheim jedoch auch als Anlage dienen. Verändern sich die Gegebenheiten, kann der Verkaufswert der Immobilie mit der Zeit deutlich steigen.
  • Mietimmobilie – eine weitere Form der Anlage ist, mit dem Ersparten eine Eigentumswohnung oder ein Haus zu erwerben und zu vermieten. Der Anleger erhält das Objekt als festen Eigentumswert, die Verzinsung findet durch die Mieteinnahmen statt. Bei dieser Variante müssten jedoch die Kosten für den Unterhalt, Renovierungen, eventuelle Rechtsstreitigkeiten und Mietausfälle mit einberechnet werden. Wer selbst nicht als Vermieter ansprechbar sein möchte, muss zudem einen Verwalter beauftragen.
  • ETFs – Exchange Traded Fonds sind an der Börse gehandelte Fonds, die sich in der Praxis häufig an Indizes orientieren. Das Modell vereint Vorteile von Fonds und Aktien, wobei kein aktives Fondsmanagement nötig wird. Im Gegensatz zum Aktienhandel müssen sich Anleger nicht auf einen Bereich konzentrieren oder sich für eine Aktie entscheiden, sondern sie investieren ein großes Marktsegment. Die Vorteile dieser Anlageform liegen darin, dass sie günstig und transparent ist.
  • Riesterprodukte – für Familien mit mehreren Kindern kann sich die Investition in einen der Riester-Verträge lohnen. Für Kinder gibt es allgemein hohe Zulagen, gleichfalls kann ein Teil der Ausgaben für das Sparprogramm von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings sollte bei Familien, bei denen die Einnahmestruktur stark abweicht, aufgepasst werden. Wer überwiegend in Teilzeit oder geringfügig angestellt ist und nur nebenbei arbeitet, der erhält im Alter vermutlich eine Rente über die Grundsicherung. Die Riester-Rente kann nun bis zu einem bestimmten Teil auf die Grundsicherung angerechnet werden.

Und was ist mit neu gegründeten Familien oder Familien, die jetzt schon für ihren Nachwuchs vorsorgen möchten, aber weder die finanziellen Mittel noch das Interesse haben, Geld langfristig anzulegen? Das trifft natürlich gerade auf junge Familien zu, die für den Nachwuchs sparen wollen, sodass Geld fürs Studium oder auch für das erste Auto oder die eigene Wohnung vorhanden ist. Hier gibt es diverse Möglichkeiten:

  • Sparplan – die Zinsen bei diesen Angeboten sind oft ganz und gar nicht berauschend, gleichen aber mehr oder weniger die Inflation aus. Möchten Eltern – oder Pateneltern – einfach nur Geld für den Nachwuchs ansparen, ist das eine Möglichkeit.
  • Bausparvertrag – auch für Kinder kann bereits ein Bausparplan angelegt werden. Der Vertrag kann bis zu einem bestimmten Alter des Kindes festgelegt sein, sodass das Kind beispielsweise nach dem 18. Geburtstag das Geld abrufen kann. Für Nutzer bis zum 25. Lebensjahr bleibt die Wohnungsbauprämie als Förderung nämlich erhalten, wenn das Kapital am Ende für etwas anderes als Wohnzwecke eingesetzt wird.
  • Festgeld/Tagesgeld – mit einem Vergleich lassen sich Angebote mit guten Zinsen heraussuchen. Sinnvoll ist es, die Ansparphase mit einem Tagesgeldkonto zu beginnen und monatlich einen festen Betrag einzuzahlen. Dieses Geld sollte nun alle zwei Jahre auf ein Tagesgeldkonto überwiesen werden, da hier eine höhere Verzinsung erreicht wird.

Ausbildungsversicherungen lohnen sich hingegen nur selten. Gerade dann, wenn sie zu den kapitalbildenden Lebensversicherungen zählen. Die Rendite ist angesichts eines Garantiezinses von 0,9% zu gering und die Kosten liegen dafür deutlich zu hoch.

Weitere Infos dazu findest du auch in unserem ausführlichen Artikel „Sparen für Kinder„.

Fazit – Geldanlage immer noch möglich

Viele Familien fürchten sich davor, Geld im größeren Stil anzulegen. Das ist verständlich, denn meist handelt es sich um das mühsam Ersparte, das in einigen Jahren für die Kinder oder für die eigene Rente genutzt werden soll. Geht dieses Geld durch eine Fehlentscheidung verloren, stehen viele Familien vor dem Ruin. Dennoch gibt es natürlich Anlageprodukte mit einem geringeren Risiko, die sich auch für kleinere Anleger oder Familien, die nur für eine bestimmte Zeit anlegen wollen, eignen. Interessenten sollten sich unbedingt im Vorfeld ausgiebig beraten lassen und die einzelnen Möglichkeiten für sich und ihre persönliche Situation prüfen.


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