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Vollzeitmama: Warum du dir das gut überlegen solltest

Auch wenn manche es als überkommenes Bild ansehen, wünschen sich viele Mamas, nach der Geburt einfach nur Hausfrau und Mutter zu sein. Allerdings sollte man hier wirklich gut die Risiken abwägen.

Gut, dass es das statistische Bundesamt gibt. Das liefert nämlich eine ziemlich genaue Zahl. 32% aller deutschen Mütter waren im vergangenen Jahr nicht berufstätig. Damit sind nicht die Fälle von Mutterschutz oder Elternzeit gemeint, sondern tatsächlich Mamas, die dem klassischen Rollenbild entsprechend sich zuhause um die Kinder kümmern. Viele davon sind es herzlich gerne, denn sie versprechen sich dadurch eine bessere Kindesbindung und ein insgesamt behüteteres, harmonischeres Aufwachsen. Starke Vorteile, zweifelsohne. Aber Vollzeitmütter haben auch gleich mehrere Probleme, von denen der folgende Artikel einige aufzählt.

1. Die Rente

Für alle deutschen Mütter wird in jedem Fall die Erziehungszeit der Kinder in die Bemessungsgrundlage der Rente mit hineingerechnet. Einer breiten Öffentlichkeit ist dieses Prinzip unter dem Schlagwort Mütterrente ein Begriff. Doch das Problem daran ist: Pro Kind werden nur jeweils zwei Beitragsjahre auf die Rente angerechnet. Bleibt eine Frau nun länger zuhause, ohne weitere Kinder zu bekommen, zahlt sie nicht länger in die Rentenkasse ein – es sei denn, sie tut es freiwillig.

Jetzt kann die Finanzlage des Haushalts noch gut aussehen, kann das Gehalt des Vaters alleine ausreichen, um die Familie gut zu versorgen. Doch je jünger die Familie ist, desto weiter ist die Rente entfernt. Heute geht man davon aus, dass bis 2030 das Rentenniveau auf 43% der Löhne gesunken sein wird, Tendenz weiter fallend.

Die Rente

Was heute noch gut funktioniert, könnte durch die mangelnde Rente der Mutter in ferner Zukunft eine „soziale Katastrophe“ für die Familie bedeuten – die sich schon durch einen Minijob abmildern lässt, weil diese seit 2013 ebenfalls zu den rentenversicherungspflichtigen Beschäftigungsformen gehören. Die Berechnung ist grundsätzlich einfach: Pro Monat werden maximal 33,88% des Minijob-Entgelts als Sozialabgabe gezahlt. Davon entfallen 15% auf die Rentenversicherung. Bei einem 450-Euro-Job sind das zwar „nur“ 15 Euro, das ist aber immer noch besser, als gar nicht in die Versicherung einzuzahlen. Zudem: Um überhaupt Rente zu bekommen, muss man mindestens fünf Jahre lang eingezahlt haben. Eine Frau, die ohne Ausbildung Mutter eines Kindes wird, kommt aber damit nur auf drei Beitragsjahre. Auch hier hilft der Minijob beim Abfedern. Die richtige Altersvorsorge ist deshalb umso wichtiger!

2. Das Wissen

Viele Arbeitnehmer mussten in den vergangenen Jahren erfahren, dass praktisch kein Job mehr hundertprozentig sicher ist. Selbst hochqualifizierte Stellen können über Nacht wegfallen. Und genau das kann auch zum Risiko für Vollzeitmütter werden, wenn das dem Vater passiert.

Das Wissen

Denn nicht nur die Jobsicherheit an sich ist gesunken, sondern auch die Halbwertszeit des Berufswissens. In keinem Beruf bleibt das Know-How stehen, sondern ist binnen weniger Jahre, in denen man nicht am Ball bleibt, veraltet. Heute noch ist eine Schwangere voll im Berufsleben, kennt sich mit den EDV-Systemen, den Arbeitsabläufen und der Software so gut aus, dass sie alles praktisch im Schlaf beherrscht.

Doch schon drei oder vier Jahre, in denen sie Vollzeitmutter ist, können dies so eindampfen, dass nicht mehr als ein grundlegendes Wissen übrigbleibt – die IT ist dann schon eine andere und vielleicht haben sich auch andere Anforderungen (etwa gesetzliche) gewandelt. Ohne teure Fortbildung gibt es dann kaum noch einen Weg, im Notfall wieder schnell Fuß fassen zu können, um die Familie finanziell zu unterstützen. Denn zu den Top-Prioritäten der Bewerberkriterien gehört, dass das Berufswissen im Idealfall nicht nur Up-to-Date ist, sondern darüber hinausgeht. Und das kann eine Vollzeitmutter schlicht nicht gewährleisten. Die Alternative sind dann weniger qualifizierte, schlechter bezahlte Jobs.

3. Die Arbeitsmoral

Vor einigen Jahren wirbelte eine Statistik viele Eltern hoch. Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass, rein von der Menge des Arbeitsaufkommens her, eine Mutter täglich in etwa die gleiche Leistung abliefert, wie ein Topmanager und dafür eigentlich ein Jahresgehalt von knapp 100.000 Euro bekommen müsste.

So viel zur Theorie, denn obgleich dieses Arbeitsaufkommen sicherlich für Mütter von Neugeborenen und auch von Kleinkindern gerechtfertigt ist, ist es eine Tatsache, dass spätestens mit dem Eintritt in den Kindergarten und erst recht mit dem Beginn der Grundschule die persönliche Arbeitsbelastung der Vollzeitmama heruntergefahren wird.

Nicht falsch verstehen, auch die Arbeit, die dann noch verbleibt, angefangen vom Haushalt bis zum Lernen mit dem Kind, ist eine anstrengende Aufgabe. Unterm Strich ist sie jedoch weit weniger fordernd als ein Vollzeitjob. Denn der Haupt-Unterschied zu diesem ist, dass sich Vollzeitmütter ihre Zeit immer noch etwas freier einteilen können als Angestellte – und niemals steht der Chef hinter einem und kontrolliert.

Die Arbeitsmoral

Das wiederum kann dazu führen, dass die eigene Arbeitsmoral langsam und vor allem unbemerkt über die Jahre hinweg absinkt. Die Mutter gewöhnt sich an die vielen Freiheiten, die dieses Leben bietet:

  • Kein minutiöser Zeitdruck
  • Keine Terminvorgaben
  • Keine Qualitätskontrolle
  • Keine Vorgesetzten

Das alles sind leider aber die Faktoren, die bestimmend für jegliche Form von Erwerbsarbeit sind. Und eine Mutter, die vielleicht ein halbes Jahrzehnt oder gar länger nicht nach diesen strengen Regeln leben musste, hat sich mit ziemlicher Sicherheit an das anstrengende, aber eben auch „süße“ Leben als Hausfrau gewöhnt, das liest man auch in den Erfahrungen solcher Mütter offen oder zumindest zwischen den Zeilen.

Auch hier gilt die Maxime, dass Personaler auf solche Faktoren sehr stark achten. Und im Gegensatz zum knallharten Berufswissen lassen sich diese Soft-Skills ebenfalls schon durch einen Minijob aufrechterhalten. Denn egal wie anspruchslos dieser ist, er fordert aber genau die Eigenheiten, die für jeden Beruf vonnöten sind.

4. Erwachsenenprobleme

Einen Haushalt schmeißen, die Kinder versorgen und das, ohne einen einzigen Cent dafür zu bekommen. Schon das allein kann sich selbst für sehr engagierte Vollzeitmütter irgendwann zu einem moralischen Problem entwickeln – denn ob der Partner es will oder nicht, er wird dieser anstrengenden Arbeit weniger Respekt entgegenbringen, als einem „echten“ Beruf. Viele Vollzeitmamas klagen darüber, dass ihnen die Anerkennung fehlt. Und selbst wenn der Papa jeden Abend die Tagesleistung gebührend begrüßt, bleibt doch ein schaler Nachgeschmack – berufliches Lob kommt schließlich immer von vergleichsweise fremden, den eigenen Kollegen. Zudem kann es jede Hausfrau bestätigen: Es ist und bleibt eine Sisyphusarbeit. Egal wie sauber alles ist, egal wie ordentlich man es macht, spätestens ein paar Tage (bei Kleinkindern eher ein paar Stunden) später ist alles wieder beim Alten. Und Sisyphusarbeit ist ganz schlecht für die eigene Moral. Daran kriseln oft Beziehungen, in denen die Frau Vollzeitmutter ist.

Die Erwachsenenprobleme

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Für eine Vollzeitmutter gibt es nur wenige Momente, in denen sie dem entfliehen kann. Denn obgleich die Arbeitszeit frei einteilbar ist, bleibt in der Realität oft eben nicht genug Zeit, um mal aus dem Trott auszusteigen, sich mit Erwachsenen zu unterhalten, statt nur mit den eigenen Kindern. Selbst die in ihre Kinder verliebteste Mama leidet ab und zu darunter, dass sie kaum noch „Erwachsenengespräche“ mit Menschen weit außerhalb des unmittelbaren Umfeldes führen kann – wie es eben auf der Arbeit Gang und Gebe ist.

Fazit

Vollzeitmutter und Hausfrau zu sein ist für viele Frauen ein absolut erfüllendes Dasein, in das sie sich auch von nichts und niemandem hineinreden lassen sollten. Aber es ist eben auch ein Dasein, das einige erhebliche Umstellungen, wenn nicht gar Nachteile mit sich bringt. Es ist so einschneidend, als würde man einen vollkommen neuen Beruf angehen – der zudem überaus schlecht bezahlt wird. Dabei sollten Mütter nicht nur das Jetzt im Auge behalten, sondern auch das Übermorgen.

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