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Sicher in jedem Alter: Kinder und Unfallprävention im Alltag

Du kannst dein Kind nicht vor allen Gefahren im Alltag schützen. Aber du kannst vielem vorbeugen und zwar in jeder Lebensphase des Heranwachsens. Der Schutz deines Kindes kann dabei auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden, denn Unfallprävention besteht nicht allein darin, Gefahren fernzuhalten, sondern von früh an einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen zu vermitteln. Eine zentrale Rolle spielt dabei die kindliche Entwicklung.

Nicht ohne Hilfe: Wie sich die kindliche Entwicklung auf die Alltagssicherheit auswirkt

Grundsätzlich entwickeln sich Kinder in ihrem ganz individuellen Tempo, schließlich sind sie alle einzigartig, mit einzigartigen Voraussetzungen und Umgebungen. Dennoch durchlaufen sie alle früher oder später, dieselben Entwicklungsphasen. Die Maßgabe für die verschiedenen Möglichkeiten der Unfallverhütung bleibt letztendlich aber dein Kind und dessen Entwicklung. Nur wenn du dein Kind im Blick hast, kannst du erkennen, welche Bedürfnisse und Interessen aufgrund seines Entwicklungsstandes und seines Alters von Bedeutung sind – und wo dein Eingreifen wegen des altersspezifischen Gefahrenbewusstseins deines Kindes gefordert sein könnte.

1) Das kindliche Gefahrenbewusstsein

Gerade in den ersten Lebensjahren ist deine Aufmerksamkeit besonders gefragt, denn bis zum Alter von vier Jahren ist bei Säuglingen und Kindern noch gar kein Bewusstsein für Gefahren vorhanden. Selbst in den späten Kindergartenjahren, also im Alter zwischen vier und sechs Jahren, ist zwar ein erstes Gefahrenbewusstsein entwickelt, aber das reicht üblicherweise noch nicht besonders weit.

Das heißt, das Kind erkennt problematische Situationen, aber hat noch nicht den vorausschauenden Blick, um diese zu vermeiden. Ohne das dazu notwendige Gefahrenbewusstsein wird das Risiko, von einem Baum herunterzufallen und sich ernstlich zu verletzen erst dann bemerkt, wenn der verlockende Platz zwischen den Ästen schon erklommen wurde. Vorausschauend agieren Kinder erst ab dem Grundschulalter, meistens so um das achte Lebensjahr herum.

Dennoch fehlt immer noch ein wichtiger Schritt, selbst wenn es – um bei dem Beispiel zu bleiben – natürlich schon der Gefahrenvermeidung dient, sich vor dem Erklettern des Baumes ausgiebig Gedanken darüber zu machen, wie eine solche Aktion ausgehen könnte. Oft genug hindert das ein Kind aber nicht am Aufstieg und trotz aller Überlegungen bleibt es schlussendlich doch beim Verletzungsrisiko. Sich vorbeugend und bewusst gegen eventuell schmerzhafte Konsequenzen abzusichern, also mit einem vorbeugenden Gefahrenbewusstsein an bestimmte Situationen heranzugehen, ist ein Entwicklungsschritt, der erst zwischen dem neunten und zehnten Lebensjahr vollzogen wird.

Das kindliche Gefahrenbewusstsein

Bis sich vorausschauendes und vorbeugendes Gefahrenbewusstsein soweit gefestigt haben, dass sie auch tatsächlich umgesetzt werden können, haben die Kinder allerdings meistens schon das Teenageralter erreicht – für Eltern also ein recht langer Zeitraum, in dem sie in puncto Gefahrenvermeidung unterstützend wirken müssen.

2) Neugierde und Erkundungsdrang

Das ist leichter gesagt als getan, denn es gilt natürlich gleichzeitig, den Entdeckungsdrang deines Kindes zuzulassen. Nur mit ausreichender Freiheit, seine Neugierde ausleben zu können, ist es einem Kind überhaupt möglich, sich weiterzuentwickeln. Ein schmaler Grat, wie sich am besten an dem beinahe reflexartigen zum Mund führen aller möglichen Gegenstände aufzeigen lässt, den Kinder schon nach etwa drei Monaten entwickeln.
Ebenso reflexartig reagieren viele Eltern auf dieses Verhalten, indem sie den Kleinen möglichst schnell alles aus den Händen nehmen, was diese in ihrer Umgebung gefunden haben. Ein solches Einschreiten ist aber nur dann sinnvoll, wenn es sich um scharfkantige, giftige oder leicht verschluckbare Objekte handelt. Ansonsten ist „Von der Hand in den Mund“ eine wichtige Methode, um die Motorik (vor allem das Greifen verschiedener Gegenstände) zu schulen und sich einen Eindruck von der Beschaffenheit der Dinge zu machen.

Neugierde und Erkundungsdrang

Dass vor allem kleine Kinder einer erhöhten Unfallgefahr ausgesetzt sind, hat also mit einer Kombination aus fehlendem Gefahrenbewusstsein und den sich entwickelnden Fähigkeiten zu tun, die erst noch „getestet“ werden müssen. Neue Fähigkeiten bedeuten außerdem neue Möglichkeiten und so ist die kindliche Entwicklung eine nicht enden wollende Kette von Ausprobieren und Entdecken. Damit Kinder ihre Neugierde richtig ausleben können, brauchen sie zwar eine sichere Umgebung, in der sie Erfahrungen ohne Gefahren machen können. Sie brauchen aber ebenso genügend Anregungen und Entfaltungsmöglichkeiten, um ihre Entwicklung zu unterstützen.

3) Wahrnehmen und Denken

Auf andere Aspekte der kindlichen Entwicklung hast du hingegen nur wenig Einfluss. Das betrifft vor allem die Wahrnehmung, also die Funktion der Sinne wie etwa des Sehvermögens. Was für Erwachsene vollkommen selbstverständlich ist, fehlt Kindern bis zu einem gewissen Alter jedoch hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, ihre Umgebung wahrzunehmen:

  • Das Sehvermögen ist beispielsweise erst mit zehn bis zwölf Jahren auf dem Entwicklungsstand eines Erwachsenen, das räumliche Sehen immerhin etwas früher (ungefähr mit neun Jahren). Davon abgesehen macht auch die Körpergröße einen enormen Unterschied, wenn es darum geht, etwa im Straßenverkehr den Überblick zu bewahren.
  • Das Hörvermögen ist ebenfalls erst mit fünf oder sechs Jahren voll ausgebildet, trotzdem hören Kinder in diesem Alter immer noch anders als Erwachsene. Das betrifft vor allem die Unterscheidung von Geräuschen. Jüngeren Kindern bereitet es darüber hinaus noch Schwierigkeiten, deren Herkunft auszumachen – sie werden entweder ganz überhört (besonders, wenn die Geräusche von hinten oder der Seite kommen) oder nicht richtig eingeordnet. Aus diesem Grund werden Gefahrenquellen akustisch oft gar nicht erst ausgemacht.
  • Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich durch die im Kindesalter noch fehlende Fähigkeit, Geschwindigkeiten einzuschätzen. Selbst Kindergartenkinder im Alter zwischen drei und vier Jahren können häufig nicht erkennen, ob sich ein Auto überhaupt bewegt oder ob es steht. Dazu verleiten gehörte Eindrücke zu falschen Schlussfolgerungen: Laute Autos erscheinen dadurch schneller als leise Autos, sogar wenn diese mit größerer Geschwindigkeit fahren. Mit ungefähr sechs Jahren können Kinder Geschwindigkeiten dann richtig einschätzen.
  • Obwohl Kinder so flink wirken, ist es ihr Reaktionsvermögen über lange Zeit ganz und gar nicht. Tatsächlich brauchen Kinder im Alter von fünf Jahren im Durchschnitt doppelt so lange für eine Reaktion wie Erwachsene. Eine ähnliche Reaktionsfähigkeit wird erst mit ungefähr 15 Jahren erreicht.

4) Die motorische Entwicklung

Wie diese physischen Aspekte trägt auch die motorische Entwicklung zu einem besseren Umgang mit Gefahrensituationen bei. Bis die Motorik allerdings so weit ist, stellen unkoordinierte (weil noch ungeübte) Bewegungsabläufe selbst noch eine Gefahrenquelle dar. Die Bewegungen von Armen, Beinen und anderen Körperteilen sind besonders bei Säuglingen in den ersten Monaten unvermittelt und kaum abzusehen. Die Kraft reicht dann zwar noch lange nicht aus, sich selbständig zu bewegen, die Sturzgefahr, etwa von einem Wickeltisch, ist in ungesichertem Zustand trotzdem vorhanden.

Danach ist alles eine Frage der persönlichen Entwicklungsgeschwindigkeit und dieser Faktor sollte unbedingt beachtet werden: Kinder lernen die wichtigsten Bewegungsabläufe in ihrem jeweils eigenen Tempo. Du kannst ihnen dabei zwar unter die Arme, aber der Entwicklung nicht vorgreifen. Das heißt in erster Linie, dass Kinder etwa das Sitzen oder das Stehen selbständig erlernen sollten, ohne von dir in diese Positionen gebracht zu werden. Gleiches gilt für Gehübungen, solange ein Kind nicht von sich zeigt, dass es gehen kann.

Nur durch eigenständiges „Erarbeiten“ von Übergangsbewegungen, Abstützen und sogar dem „richtigen“ Fallen, erlernt ein Kind letztlich auch die notwendigen Bewegungen. Diese Entwicklung beschleunigen zu wollen, beispielsweise durch eine Lauflernhilfe, bedeutet aber einen unnötigen Eingriff, durch den noch dazu wichtige Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Körper verloren gehen.

Viel wichtiger ist es stattdessen, die Umgebung, vor allem die Wohnung, an die zunehmende Beweglichkeit anzupassen – denn Rückschläge gehören zwar zum Erlernen der motorischen Fähigkeiten dazu, trotzdem müssen Stürze und andere Unfälle nicht durch umherliegende Gegenstände, rutschende Teppiche oder ähnliche Hindernisse wahrscheinlicher gemacht werden.

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen

Das entspricht natürlich kaum der Wahrheit, trifft aber insofern auf den Punkt, als sich die Unfallschwerpunkte und damit auch die Sicherheitsbedürfnisse je nach Alter des Kindes verändern. Bei einem Säugling kann dies eine sichere Schlafstätte sein, bei größeren Kindern etwa das sichere Überqueren einer Straße. Größer oder kleiner werden die Sorgen der Eltern dabei wahrscheinlich nicht – sie werden sich nur ebenfalls verändern.

Kurz gefasst könnte man sagen, dass für Kleinkinder die Gefahren vor allem im eigenen Zuhause lauern, während es ab dem Vorschulalter vermehrt draußen oder bei verschiedenen Freizeitaktivitäten – besonders bei allem, was mit Sport zu tun hat – zu Unfällen kommen kann. Problematisch kann auch der Straßenverkehr werden, an dem die Kinder mit zunehmendem Alter immer selbständiger teilnehmen, zum Beispiel auf dem Schulweg, obwohl bei ihnen das notwendige Rüstzeug noch nicht vollständig ausgeprägt ist.

Was gestern noch die Neugierde des Kleinkindes war, sind deshalb morgen vielleicht schon Übermut und Selbstüberschätzung der Größeren. Abhängig von Alter und Entwicklungsstand gehen damit unterschiedliche Unfallschwerpunkte einher:

Alter Typische Unfallschwerpunkte
0-6 Monate
  • Sturzunfälle, insbesondere vom Wickeltisch oder Transportunfälle
  • Ersticken
ca. 7 Monate – etwa 4 Jahre
  • Verschlucken von Gegenständen
  • Vergiftungen und Verätzungen (zum Beispiel durch Reinigungsmittel, ätherische und Lampenöle, Medikamente, giftige Pflanzen etc.)
  • Verbrühungen und Verbrennungen (am Herd, an heißen Töpfen)
  • Stürze beim Treppensteigen
  • Stürze durch Lauflernhilfen
  • Elektrounfälle (Stichwort Steckdosen)
  • Ertrinken (im Gartenteich oder Regentonnen)
ab etwa 5 Jahren
  • Sport- und Freizeitunfälle (in erster Linie Stürze und Zusammenstöße)
  • Verkehrsunfälle

Ebenso wie die Unfallschwerpunkte sollte auch die Herangehensweise an die dazugehörigen Gefahrenquellen und die entsprechenden Gegenmaßnahmen auf das Alter und die bisherige Entwicklung des Kindes abgestimmt werden. Gib deinem Kind die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen und das sichere Verhalten auf eine spielerische Weise mit auf dem Weg, so dass sich Gefahren und der Schutz davor besser einprägen. Sei bei diesen Verhaltensweisen rund um das Thema Sicherheit aber konsequent – damit werden die gewünschten Vorsichtsmaßnahmen von klein auf zu einem selbstverständlichen Verhaltensmuster.

Mehr Sicherheit durch mehr Gefahrenbewusstsein: Die Möglichkeiten der Unfallverhütung

Unfälle wie die oben genannten passieren tagtäglich, aber sie sind häufig genug vermeidbar. Es geht in erster Linie darum, die potenziellen Gefahrenherde und Unfallursachen zu kennen und davon ausgehend für das notwendige Gefahrenbewusstsein zu sorgen – oder eben die entsprechenden technischen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

1) Die Rolle der Eltern bei der Sicherheitserziehung

Ein nicht zu unterschätzender Gefahrenherd für Kinder sind die Eltern selbst. Denn obwohl die Kinder selbstverständlich ihre eigenen Erfahrungen machen müssen, gebietet es die elterliche Aufsichtspflicht, für deren Sicherheit zu sorgen. Grundsätzlich ist es deshalb wichtig, dass du dir deiner Rolle bei der Sicherheitserziehung und Unfallverhütung bewusst bist. Das gilt vor allem in alltäglichen Situationen:

  • Gefahrenbewusstsein und Neugierde gehen selten Hand in Hand und Hindernisse sind für Kinder nur dazu da, um sie irgendwie zu überwinden – unterschätz daher niemals den Einfallsreichtum deines Kindes, wenn es um die Erprobung der eigenen Geschicklichkeit geht.
  • Auch der gegenteilige Fall ist problematisch, denn es birgt ebenso Risiken, die Gefahrenkenntnis und -einschätzung deines Kindes zu überschätzen. Impulsives Verhalten zeigen auch Schulkinder immer noch und dann sind Verhaltensregeln zur eigenen Sicherheit oft nur noch nebensächlich.
  • Unter Stress fehlt Eltern oftmals die Ruhe, die es für eine sichere Umgebung eigentlich bräuchte. Wenn also im Alltag einmal mehr alles zur gleichen Zeit auf dich einstürzt und viele Dinge parallel erledigt werden wollen, ist es umso notwendiger, auf die Bremse zu treten. Nur so vermeidest du Unachtsamkeiten, die zu gravierenden Folgen führen können.
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Dem Kind Freiräume für seine Entwicklung zu lassen ist nicht gleichbedeutend mit der Möglichkeit, die Aufsichtspflicht lockerer zu nehmen. Es geht darum, eine Balance zwischen dem kindlichen Bedürfnis nach Eigenständigkeit und elterlicher Hilfe und Schutz zu finden. Vergiss daher nicht, wenigstens von Zeit zu Zeit ein Auge darauf zu haben, was dein Kind eigentlich gerade so treibt – je stiller die Kinder werden, desto verdächtiger.

Ein ganz wichtiger Aspekt der Sicherheitserziehung ist die Vorbildfunktion, die Eltern für ihre Kinder einnehmen. Insofern ist der natürliche Drang von Kindern, Verhaltensweisen nachzuahmen, die es um sich herum wahrnimmt, ein Vorteil. So lernt es neben Vorgehensweisen zur Konfliktlösung oder den Umgang mit Gefühlen genauso die richtige Art und Weise, sich in Gefahrensituationen zu verhalten.
Wenn du also im Alltag sorgsam und verantwortungsvoll mit potenziell gefährlichen Gegenständen und Situationen umgehst, ist es wahrscheinlicher, dass es dein Kind dir gleichtun wird. Bezieh auch ältere Geschwisterkinder in diese Form der Sicherheitserziehung ein, denn diese haben oft einen noch viel unmittelbareren Einfluss auf die jüngeren Kinder.

2) Ein sicheres Zuhause

Unabhängig von deinem persönlichen Verhalten bleiben manche Gefahrenquellen unter Umständen trotzdem bestehen – nicht zuletzt deshalb, weil sie aus der Erwachsenenperspektive kaum als solche wahrgenommen werden. Das gilt insbesondere für den gesamten Haushalt, wo in jedem Raum potenziell kritische Stellen auf die Kinder warten. Bei einem Säugling betrifft dies etwa eine sichere Schlafstätte, später dann auch das komplette Kinderzimmer und den Rest der Wohnung – entsprechend zum größer werdenden Aktionsradius.

Infografik: Gefahrenstellen im Haushalt

Du musst aber meistens keine sonderlich aufwändigen Maßnahmen ergreifen, um die eigenen vier Wände zu einer sichereren Umgebung für die Kleinen zu machen. Wem das zu wenig ist, kann inzwischen auch auf eine Vielzahl individueller Lösungen für das gesamte Haus zurückgreifen, mit denen alle Lebensbereiche abgedeckt werden. Davon profitieren dann nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie.

Smarte Technologien sorgen einerseits für mehr Sicherheit, andererseits auch für mehr Komfort. Bewegungsmelder sind hier eines der simpleren Beispiele. Aber auch intelligente Rauchmelder oder Herdwächter können rechtzeitig vor Gefahren warnen.

Beleuchtung

Solange das Sehvermögen der Kinder noch nicht vollends entwickelt ist, sollten sie durch die Beleuchtung ausreichend Unterstützung bekommen, um eventuell vorhandene Hindernisse rechtzeitig erkennen zu können.

  • Gute Beleuchtung ist übrigens nicht nur in den Räumen selbst hilfreich, sondern mindestens genauso in den Fluren und in Treppenhäusern.
  • Achte darauf, dass die Lichtschalter auch für die Kinder gut zu erreichen sind – auf diese Weise können sie frühzeitig lernen, sich in diesem Punkt selbständig um ihre Sicherheit zu kümmern.

Boden

Im Haus müssen keine Unebenheiten befürchtet werden, die es draußen meistens zu beachten gilt? Das ist so nicht ganz richtig, allerdings sind Stolperfallen wie Teppichkanten nicht das einzige Problem. Je nach Material droht der Boden auch einmal zu einer rutschigen Angelegenheit zu werden, außerdem sind harte Fußbodenbeläge wie Fliesen oder Steinplatten nicht ganz ungefährlich, wenn es um Sturzverletzungen geht.

  • Sofern das Kinderzimmer nicht ohnehin einen anderen Bodenbelag hat, solltest du harte Fußbodenmaterialien mit Teppichen abdämpfen. Diese wiederum sollten möglichst rutschfest sein und nicht zum darüber Stolpern einladen.
  • Wisch verschüttete Flüssigkeiten immer sofort auf, damit niemand – das betrifft immerhin Kinder wie Erwachsene – ausrutschen kann.
  • Sorg dafür, dass besonders in den Räumen, in denen ihr euch als Familie häufig gemeinsam aufhaltet, möglichst wenige Gegenstände auf dem Boden liegen. Dadurch verringerst du nicht nur die Stolpergefahr, sondern verhinderst gleichzeitig, dass vor allem Kleinkinder doch noch etwas in ihren Mund bekommen, was da gar nicht hingehört.

Strom und elektrische Geräte

In modernen Haushalten gibt es eher ein Mehr als ein Weniger an elektrischen Geräten und das gilt nicht allein für die Ausstattung der Küche. Daraus ergeben sich unterschiedliche Gefahren, die nicht nur mit dem Strom selbst zu tun haben. Natürlich sind Steckdosen immer kritisch, weil sie schon für umherkrabbelnde Kinder oftmals allzu leicht zu erreichen sind.

Gefahren durch Strom und elektrische Geräte

Kaum weniger gefährlich sind allerdings Kabel, die auf verschiedene Weise für Stürze verantwortlich sein können – entweder, weil die Kinder darüber stolpern oder weil sie versuchen, sich an ihnen festzuhalten. Daraus ergibt sich eine zusätzliche Gefahr, weil auf Tischen und Schränken abgelegte Geräte so außerdem auf die Kinder herunterfallen können.

  • Sorg dafür, dass defekte Geräte, Stecker und/oder Kabel umgehend entweder ausgetauscht oder repariert werden. Beim Neukauf empfiehlt es sich außerdem, auf aussagekräftige Qualitätssiegel zu achten, zum Beispiel auf das Prüfzeichen „Geprüfte Sicherheit“ (GS).
  • Versuch, möglichst viele Elektrokabel fest zu verlegen oder greife auf Kabelkanäle, Kabelschellen oder geeignete Fußleisten zurück.
  • Kindersicherungen für Steckdosen solltest du im Zweifelsfall auch an Mehrfachsteckern anbringen.

3) Mit Sicherheit unterwegs

Selbstverständlich verbringen Kinder nicht die ganze Zeit im Haus oder der Wohnung, sie sind – am Anfang vornehmlich in deiner Begleitung, später dann zusehends selbständiger – auch draußen unterwegs. Den größten Anlass zur Sorge bereitet Eltern in diesem Zusammenhang üblicherweise der Straßenverkehr. Wie oben bereits erwähnt, ist hierbei besonders die kindliche Wahrnehmung problematisch, durch die Gefahren oftmals gar nicht oder erst zu spät erkennt werden.

Mit Sicherheit unterwegs

Tipp: Umgekehrt gilt es nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern gleichermaßen, besonders in den Herbst- und Wintermonaten selbst im Straßenverkehr erkennbar zu sein. In dieser Hinsicht können etwa spezielle Beleuchtungen für den Kinderwagen einen simplen, aber doch wirkungsvollen Schutz für alle Familienmitglieder darstellen.

Andererseits können auch Unachtsamkeiten oder mangelnde Ausrüstung beim Transport gefährlich werden, selbst wenn die Kinder etwa als Mitfahrer im Auto oder auf dem Fahrrad gar nicht aktiv am Verkehrsgeschehen teilnehmen. Abgesehen von deiner Vorbildfunktion, die du mit deinem Verhalten natürlich auch im Straßenverkehr innehast, kommt es deshalb sowohl bei Kindersitzen für das Auto (technisch korrekt: Rückhaltesysteme), wie auch bei Fahrradsitzen oder Fahrradhelmen auf eine ausreichende Schutzfunktion an.

Sicherheit im Auto

  • Das Rückhaltesystem sollte immer nach der Europäischen Norm für Kindersicherheit (ECE R44 – zu erkennen an den Prüfnummern, die mit 03 oder 04 beginnen und dem orangefarbenen Prüfsiegel) zugelassen, nach den Herstellerangaben eingebaut und immer, selbst bei kürzesten Fahrten, benutzt werden. Auf dem Schoß haben Kinder während der Autofahrt nichts verloren.
  • Verstaue lose Gegenstände, die du möglicherweise auf der hinteren Ablage untergebracht hast. Im Fall einer Vollbremsung entwickeln sich sonst auch die harmlosesten Dinge zu gefährlichen Geschossen.
  • Lass dein Kind nie alleine im Auto, ganz gleich wie kurz der Zeitraum sein mag und nervig es sein kann, das Kleine wieder richtig im Kindersitz unterzubringen.

Sicherheit beim Fahrradfahren

  • Wenn dein Kind noch nicht alleine mit Fahrrad unterwegs ist und stattdessen bei dir in einem entsprechenden Sitz mitfahren soll, ist es in jedem Fall ratsam, vor dem Kauf eine Beratung im Fachhandel in Anspruch zu nehmen. Dort können dir Modelle gezeigt werden, die zur Bauweise des Fahrrads passen und damit für die notwendige Stabilität sorgen. Achte ansonsten vor allem auf eine ausreichend hohe Rückenlehne, rutschfeste Fußstützen (am besten mit Fußriemchen), Hosenträgergurte und einen Speichenschutz. Eine Alternative sind unter Umständen Kinderanhänger, die bieten außerdem im Normalfall Platz für zwei Kinder.
  • Einen passenden Helm sollten Kinder trotzdem auch dann tragen, wenn sie nicht mit dem eigenen Fahrrad fahren. Wichtig ist hierbei unter anderem die Einhaltung der Sicherheitsstandards, was du am CE-Zeichen und der Kennzeichnung EN 1078 erkennen kannst. Solche Label sind auch bei anderen Produkten ein guter Hinweis auf ein Mindestmaß an Sicherheit. Nimm das Kind beim Kauf in jedem Fall mit, nur so kannst du sicherstellen, dass der Helm wirklich ein richtiger Schutz für Stirn, Schläfen und Scheitel ist. Bedenk außerdem, dass du auch hinsichtlich des Helmtragens als Vorbild fungierst.
Sicherheit beim Fahrradfahren

Gefahren, wohin das Auge blickt?

Musst du jetzt ständig in Angst sein, deinem Kind könnte etwas zustoßen? Sicher nicht, im wahrsten Sinne des Wortes, und ganz besonders dann nicht, wenn du dich gewissenhaft und verantwortungsvoll verhältst und die Sicherheitsbedürfnisse deines Kindes berücksichtigst. Ganz ohne Wehwehchen wird es selbst dann nicht gehen, aber in erster Linie geht es ja darum, schwerwiegende Konsequenzen für das leibliche Wohl des Kindes von vorneherein ausschließen zu können.

Dazu trägst du nicht nur durch eine möglichst sichere Ausstattung für Haus, Auto und so weiter bei, sondern vor allem durch dein eigenes Verhalten. Damit kannst du schon früh auf die Sicherheitserziehung deines Kindes einwirken und potenziellen Gefahren den Schrecken nehmen.

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