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Nicht nur Altersarmut: Wovor sich die Deutschen heute fürchten

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Der Finanzminister sieht das Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs und mahnt, dass die fetten Jahre vorbei sind. Mit Blick auf die persönliche Zukunft fürchten sich viele Menschen hierzulande vor einer drohenden Altersarmut. Dazu passt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft „Ernst & Young“. Für diese wurden Ende 2018 mehr als 1.000 Bundesbürger von dem Wirtschafts-Netzwerk über ihre Erwartungen an das neue Jahr befragt. Die Einschätzungen fallen dabei pessimistischer aus als in den vergangenen Jahren. Gerade in Bezug auf das Thema Altersarmut steigen die Sorgen zum zweiten Mal in Folge am stärksten. Dennoch gibt es zwei Dinge, vor denen sich die Deutschen mit Blick in die Zukunft momentan noch mehr fürchten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erneut legt die Angst vor mangelnder Absicherung im Alter stark zu
  • Die Furcht vor Altersarmut liegt auf Platz drei bei den Zukunftssorgen
  • Vor Umweltzerstörung und Krankheit fürchten sich die Deutschen noch mehr
  • Bürger zeigen wieder mehr Pessimismus bezüglich wirtschaftlicher Sicherheit
  • Die anhaltenden Niedrigzinsen erschweren Vorsorgepläne fürs Alter

Angst vor Altersarmut steigt erneut

Die größten Sorgen gelten der zunehmenden Verschmutzung unserer Umwelt. Für ganze 70% der Befragten stellt dieses Szenario die größte Zukunftsangst dar. Auf dem zweiten Platz findet sich die Sorge vor schweren Krankheiten. Eine mögliche Erkrankung gilt demnach bei 67% der Befragten als Grund persönlicher Beunruhigung. Bereits zum zweiten Mal in Folge verzeichnet die Angst vor der Altersarmut die höchste Zuwachsrate. Im Vergleich zur Befragung des Vorjahres bereitet diese Sorge 18% mehr Menschen Kopfzerbrechen. Steigende Lebenshaltungskosten verstärken diese Sorgen mit Blick auf den eigenen Ruhestand. Die Armut im Alter belegt damit den dritten Rang der Studie.

Insgesamt betreffen von den zwölf topplatzierten Angaben acht Themen wirtschaftliche oder finanzielle Aspekte. Insgesamt geben 56% der Umfrageteilnehmer an, sich ernste Gedanken um die Versorgung im Alter zu machen. Besonders stark teilen davon 27% der Befragten diese Befürchtung. Im Vorjahr lag der Teil der stark Besorgten mit 15% noch knapp bei der Hälfte des aktuellen Wertes. Dieses Mal äußerten lediglich 44%, dass sie dieses Thema nicht belastet.

In der jüngeren Vergangenheit nehmen die Sorgen vor einer möglichen Armut im Alter weiter kräftig zu. Die Ursache dieses Trends benennt Bernhard Lorentz, der Leiter des Bereichs Public Sector bei EY, deutlich: „Weil den Leuten immer stärker bewusst wird, welche finanziellen Belastungen noch auf sie zukommen werden“. Hinzu gesellt sich die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft, was die Rente künftiger Generationen alles andere als sicher macht. Weitere Gründe für den steigenden Pessimismus finden sich beim Blick in die eigene Brieftasche. Im abgelaufenen Jahr 2018 hat sich die Inflation vergleichsweise stark bemerkbar gemacht. Preise für Nahrungsmittel oder Energie stiegen spürbar an. Mitunter blieb selbst mit einer Gehaltserhöhung unterm Strich weniger als in den Jahren zuvor. Durch die gestiegenen Kosten für die Lebenshaltung sowie den Verlust der Kaufkraft scheint sich ein gesellschaftlicher Stimmungswandel anzukündigen.

Jüngere sind optimistischer als Ältere

Die Studie von EY nimmt auch die finanzielle Situation der Verbraucher unter die Lupe. Daher wurde jeder Teilnehmer zur eigenen Zufriedenheit befragt. Mit ihrer persönlichen Gesamtlage sind die Deutschen demnach zu 43% zufrieden. Das klingt zunächst positiv. Dennoch verbirgt sich dahinter ein Rückgang von 6% gegenüber dem Vorjahr. Bei der Zufriedenheit besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den Altersgruppen. Menschen über 65 sind mit ihrer aktuellen Lage am wenigsten glücklich. Nur jeder dritte Senior gab an, mit seiner momentanen Situation zufrieden zu sein. In dieser Altersgruppe versprechen sich lediglich 6%, dass ihre finanzielle Situation im neuen Jahr besser wird. Die Gruppe der 56- bis 65-jährigen bringt es bei dieser Frage immerhin auf 13%. Dagegen glauben 61% der Deutschen unter 35 Jahren, dass sich die eigene Wirtschaftslage im neuen Jahr verbessert. Hier finden sich allerdings auch die Berufseinsteiger, welche erstmals ein geregeltes Einkommen beziehen.

Bei der Zufriedenheit lassen sich Unterscheidungen jedoch nicht nur am Alter festmachen, sondern etwa auch am Geschlecht. Demnach sind Männer generell zufriedener als Frauen. Gleiches gilt für wohlhabende Bürger gegenüber Menschen, die mit vergleichsweise wenig Geld auskommen müssen. Bei Geringverdienern zeigt sich eine weitere Angst, die beim Thema Altersvorsorge nicht unbedeutend ist. Arbeitnehmer unterhalb eines Nettoeinkommens von 25.000 Euro fürchten sich am meisten vorm Verlust ihres Arbeitsplatzes. Hingegen sagen 93% der Befragten aus, dass ihre Stelle „eher sicher“ oder sogar „sehr sicher“ ist. Bemerkenswert ist dabei, dass sich einerseits zwar 49% sehr sicher in ihrem Job fühlen, dies andererseits aber das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahren darstellt. Seit 2014 waren stets mehr als die Hälfte aller Umfrageteilnehmer völlig sorgenfrei in Hinblick auf die eigene Job-Sicherheit.

Vorsatz fürs neue Jahr heißt Sparen

Das Thema der drohenden Altersarmut scheint mehr und mehr ins Bewusstsein zu rücken. Die gesetzliche Rente wird aller Voraussicht nach bei vielen nicht ausreichen. Wer als Ruheständler keine teils drastischen Einbußen der eigenen Einnahmen in Kauf nehmen möchte, muss sich frühzeitig um die Lebensqualität im Alter kümmern. Das geht am besten, indem bereits in der Gegenwart etwas fürs Alter auf die hohe Kante gelegt wird. Nach dieser einfachen Formel wundert es nicht, wenn sich viele Verbraucher für 2019 hartnäckige Sparziele gesetzt haben. Bis auf die Ausgaben für Nahrungsmittel sowie den Urlaub soll überall der Gürtel enger geschnallt werden. Vor allem gilt das für größere Einzelanschaffungen wie etwa ein neues Auto. Hier nehmen sich 42% vor, Geld im Vergleich zum Vorjahr einzusparen. Ebenfalls soll für Unterhaltungselektronik (40%) sowie für Renovierungsarbeiten an der Immobilie weniger Geld (38%) locker gemacht werden.

Aufgrund der dauerhaften Niedrigzinsphase sind Anlageformen mit einer guten Rendite derzeit eher selten. Selbst langfristige Sparanlagen werfen meist nur so viel Gewinn ab, dass damit gerade die Inflation ausgeglichen werden kann. Und Geld, das für eine Altersvorsorge im Sparstrumpf landet, schwächt streng genommen die Wirtschaft und bremst die Konjunktur aus. „Der Konsum war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Pfeiler des deutschen Aufschwungs“, so Thomas Harms. Dem Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei EY zufolge können Sparmaßnahmen diesem Aufschwung spürbar den Wind aus den Segeln nehmen. Dann legen die Bundesbürger zwar ihr Geld zu minimalen Konditionen zur Seite, allerdings auf Kosten der gesamten Konjunktur. Die Angst vor der künftigen Altersarmut könnte dann bereits in naher Zukunft das rasche Ende unseres aktuellen Wirtschaftsbooms verantworten.

Private Vorsorge ist alternativlos

Die Patentlösung in Sachen Altersvorsorge gibt es offensichtlich nicht. Sichere Sparanlagen sind meist niedriger verzinst als die Inflationsrate. Dagegen gehen gute Renditeaussichten einher mit einem hohen Verlustrisiko. Wichtig ist fürs Alter, dass du dich nicht komplett auf die Leistungen vom Staat verlässt. Unverbindlich und einfach kannst du über unseren Rentenrechner herausfinden, was dir nach dem Berufsleben an Einkünften bleibt. Es ist so gut wie nie zu spät, eine separate Vermögensanlage fürs Alter anzulegen. Das geht schon mit überschaubaren Beiträgen im Monat mit einem eigenen Depot mit Sparplan. Wenn du dich bereits in jüngeren Jahren darum kümmerst und informiert bist, bleibt zumindest eine böse Überraschung im Alter aus.

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