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Minikredit bis zum Elterngeld – warum das keine gute Idee ist

Die Vorfreude ist bereits riesig, die Auswahl an Produkten für Babys groß. Kinder kosten nun einmal viel Geld. Sei es für einen Kinderwagen, Wickeltisch oder das künftige Kinderzimmer, welches noch eingerichtet werden muss. Diese zusätzliche finanzielle Belastung wird von einigen mit einem Minikredit überbrückt. Weshalb ein Minikredit für diesen Zweck nicht geeignet ist und welche Alternativen werdende Eltern haben, stellen wir hier vor.

Am teuersten wird es in der Regel für die Eltern, wenn es sich um das erste Kind handelt. Die Baby Erstausstattung schlägt mit hohen Kosten zu Buche, sodass werdende Eltern schon vor der Geburt neben den emotionalen auch finanzielle Auswirkungen zu spüren bekommen. Um die neuen bzw. zusätzlichen Wünsche zu finanzieren, greifen einige Eltern auf Fremdkapital zurück, wenn die nötigen Ausgaben nicht selbst getragen werden können.

Für die Finanzdienstleister entsteht dabei jedoch der Zweifel, ob die Raten fristgerecht zurückgezahlt werden. Da das Elterngeld befristet ist, erkennen viele Banken es nicht als Einkommen an, was die Bewilligung von Krediten offenkundig erschwert. Vor allem bei Alleinerziehenden, aber auch bei zwei Erziehungsberechtigten ist darüber hinaus nicht unbedingt klar, ob die Eltern nach Ablauf der Elternzeit wieder in ihren Beruf zurückkehren – auch wenn sie während der Elternzeit Kündigungsschutz genießen.

Einige Banken lehnen deshalb die Bereitstellung eines Darlehens für Bezieher von Elterngeld ab. Paare und auch allein lebende Schwangere nutzen daher teilweise auch Minikredite. Diese kurzfristigen Darlehen, die ebenfalls unter den Namen Mikrokredit oder Payday Loans bekannt sind, haben derzeit vor allem in den USA und Großbritannien Hochkonjunktur. Seit 2010 werden sie von verschiedenen Finanzdienstleistern auch in Deutschland angeboten. Dabei sind die Kosten von Minikrediten jedoch viel höher als bei handelsüblichen Konsumentenkrediten.

Unterschiede von Minikrediten gegenüber normalen Darlehen

Bei den Minikrediten handelt es sich um sehr kurzfristige Kredite mit geringen Summen. Meistens laufen sie nur 30 oder 60 Tage und liegen zwischen 100 und 1.000 Euro. Die Zinsen sind bei diesen Krediten jedoch deutlich höher als bei normalen Darlehen. Den Kunden fällt das häufig nicht auf, da sie nur die fixen Kosten betrachten, die tatsächlich nicht unbedingt sehr hoch sind. Beispielsweise belaufen sich die Kosten für ein Darlehen über 500 Euro bei einer Laufzeit von 30 Tagen bei verschiedenen Anbietern auf etwa fünf Euro.
Auf den ersten Blick erscheint die Summe nicht besonders hoch. Betrachtet man aber den effektiven Jahreszins, liegt dieser damit bei zwölf Prozent. Im Vergleich zu den aktuell herrschenden Kreditkonditionen ist dies bereits sehr hoch. Viele Anbieter von Minikrediten machen aber einen Großteil ihrer Einnahmen mit Zusatzoptionen – Extras, die den effektiven Jahreszins in astronomische Höhen treiben können. Mehr dazu auf Kreditheld.de.

Vermeintliche Extras – hohe Kosten, geringer Nutzen

Als Zusatzoptionen verstehen die Anbieter etwa folgende Leistungen:

Expressauszahlung:
Wenn die Auszahlung der Kreditsumme schnell gehen soll, verlangen die Anbieter eine Extrazahlung für die Bearbeitung. Diese liegt meist im Bereich von 25 bis 100 Euro.

Ratenzahlung:
Nicht bei allen Anbietern ist eine Ratenzahlung möglich. Dann muss entweder die gesamte Kreditsumme am Laufzeitende beglichen oder eine Zusatzoption gebucht werden. Die Option auf eine Ratenzahlung kann bis zu 50 Euro zusätzlich kosten.

Bei der Beantragung von Minikrediten ist im Allgemeinen eine gewisse Dringlichkeit vorhanden. Das hat zur Folge, dass viele, die solche Kredite in Anspruch nehmen, auch die Expressoption hinzubuchen. Wenn man diese Kosten bei der Berechnung des effektiven Jahreszinses zugrunde legt, kann dieser schnell auf mehrere hundert Prozent ansteigen! Die eigentlichen Zinskosten, die zwischen fünf und zehn Euro liegen, schnellen durch die Zusatzleistungen in die Höhe:

  • Unser Beispieldarlehen beträgt weiterhin 500 Euro.
  • Die Zinskosten liegen bei einem effektiven Jahreszins von 12% bei 5 Euro.
  • Nimmt man eine Expressauszahlung und eine Ratenzahlung mit Gebühren von jeweils 50 Euro hinzu, betragen die Kosten 105 Euro.

Dabei entsteht für die Anbieter aber kaum Mehraufwand. Eine schnelle Überweisung kann bei der gleichen Bank ohne Mehrkosten innerhalb von 30 Minuten auf einem anderen Konto sein. Zwischen Banken kann es schon einmal bis zu einem Werktag dauern. Der Vorgang der Überweisung ist dabei der gleiche.

Für die Entscheidung, ob ein Kredit bewilligt wird oder nicht, ist ebenso kein zusätzlicher Aufwand für die Anbieter nötig, da die Prüfung in der Regel automatisiert stattfindet. Die zusätzlichen Gebühren, die den Kunden auferlegt werden, stehen also nicht gerade im Verhältnis zum Aufwand, der den Finanzdienstleistern entsteht.

Minikredit bis zum Erhalt des Elterngeldes

Die Ursprungsidee des Minikredits – geringe Kreditbeträge mit einer kurzfristigen Laufzeit – könnte an sich zur Überbrückung bis zum Erhalt des Elterngeldes sinnvoll sein. Betrachtet man jedoch die Kosten, die mit einem Minikredit einhergehen, stellt es sich anders dar. Dabei müssen Eltern auch bedenken, dass die Einkünfte bei Elterngeldbezug gegenüber dem normalen Einkommen häufig sinken. Während Eltern mit niedrigem Einkommen 100% ihres letzten Einkommens als Elterngeld erhalten, wird Eltern mit höherem Einkommen nur 65%, maximal aber 1800 Euro gewährt.

Durch diese Verringerung des verfügbaren Geldes haben werdende Eltern natürlich auch weniger Geld für eine entsprechende Tilgung zur Verfügung. Das kann dazu führen, dass Minikredite die finanzielle Problematik nicht lösen, sondern eher verschlimmern, da bereits nach ein oder zwei Monaten die Rückzahlung verlangt wird und hierfür womöglich ein neues Darlehen aufgenommen werden muss.

Selbst die Nutzung des Dispokredites kann bei kurzfristig entstehenden Finanzierungsschwierigkeiten im Endeffekt günstiger sein als die Aufnahme eines Minikredites. Wer langfristiger planen kann und bereits weiß, dass er oder sie für die Übergangsphase von der Arbeits- bis zur Elternzeit mehr Geld benötigt, greift auf einen günstigeren Konsumentenkredit mit kurzer Laufzeit von ein bis zwei Jahren zurück. Die Höhe der Raten bleibt dadurch auf einem niedrigen Niveau und es wartet bei geeigneter Kalkulation keine Schuldenfalle. Rechnet lieber rechtzeitig selber nach, wieviel Geld ihr für einen gelungenen Start ins Familienleben benötigt.

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