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Mein Baby ist so anstrengend – Habe ich ein „High Need Baby“?

Ist ein Baby frisch auf der Welt, braucht es alle Nähe und Zuneigung, die es bekommen kann, um sich an die neue Umgebung gewöhnen zu können. Trotz Schlafmangels kommen wir dem gern nach und tun alles, damit es dem Baby gut geht. Meist dauert es etwa drei Monate, bis das Baby einigermaßen stabil ist und die Eltern sich in ihrer neuen Rolle zurechtgefunden haben. Manchmal jedoch will die schwierige Phase einfach nicht enden. Das Baby schläft schlecht, schreit viel und lässt sich kaum beruhigen. Irgendwann reichen 3-Monats-Koliken als Erklärung nicht mehr aus. Das Baby ist ständig unzufrieden, obwohl es kerngesund scheint und auch der Arzt weiß nicht weiter. Die Umwelt ist voller guter Ratschläge, die alles nur noch schlimmer machen. Spätestens jetzt kommen die Selbstzweifel und Eltern fragen sich, was sie falsch gemacht haben. Ganz wichtig: Du hast gar nichts falsch gemacht!

Was ist ein High Need Baby?

Wenn dein Baby dich Tag und Nacht weit über das normale Maß hinaus fordert und du vor Erschöpfung kaum noch richtig funktionierst, hast du vielleicht ein „High Need Baby“ beziehungsweise ein „Baby mit starken Bedürfnissen“. Babys sind doch immer anstrengend, könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Zwischen einem normal bedürftigen Baby und einem High Need Baby können Welten liegen. Und nur diejenigen, die es selbst durchgemacht haben, wissen, was das heißt.

Der Begriff „High Need Baby“ wurde vom amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears geprägt. Dieser stellte fest, dass das vierte seiner 8 Kinder irgendwie anders als die anderen tickte, die ganze Familie auf den Kopf stellte und die Eltern besonders stark brauchte. Im Laufe seiner Tätigkeit als Arzt begegnete er noch vielen dieser Babys und bemüht sich seither, betroffene Eltern zu unterstützen und dem Begriff auch in Arztkreisen zu mehr Akzeptanz zu verhelfen.

Warum Babys mit dieser Eigenart geboren werden, ist bisher nicht geklärt. Zum einen spielen die Gene sicherlich eine große Rolle. Zum anderen werden schwere Geburtserfahrungen als Auslöser einer frühkindlichen Regulationsstörung durch die verzögerte Reifung des zentralen Nervensystems vermutet. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten könnten zur Verstärkung bestimmter Eigenschaften wie zum Beispiel innerer Unruhe beitragen.

Im Folgenden stellen wir dir die üblichen Eigenschaften eines High Need Babys vor (nach Sears). Diese können im Laufe der Jahre verschieden stark ausgeprägt sein. Dennoch ähneln sich die meisten dieser Babys sehr und weisen auch später noch ähnliche Eigenschaften auf. Vielleicht erkennst du deinen kleinen Schatz darin wieder und hast zumindest endlich eine Erklärung für sein Verhalten.

High Need Babys…

…schreien viel und besonders intensiv

Babys weinen nun mal, das ist richtig. Es ist ihre einzige Ausdrucksweise, um ihren Unmut kundzutun. High Need Babys weinen jedoch besonders laut und oft auch besonders ausdauernd. Sie verkrampfen regelrecht und brauchen dann besonders viel elterliche Unterstützung, um sich wieder beruhigen zu können. Auch später sind diese Kinder oft in der Lage, ihre Bedürfnisse ganz unmissverständlich zu äußern. Was eigentlich ein Vorteil ist, kann bei Eltern schnell zu völliger Überforderung führen.

…sind meistens unzufrieden

Was hat das Kind nur? Diese Frage stellen sich betroffene Eltern sehr häufig. Es scheint ständig irgendeinen Grund für schlechte Laune zu geben. Alles stört, nichts ist richtig. Was gestern gut funktioniert hat, kann heute schon völlig verkehrt sein. Eltern wollen, dass es ihrem Baby gut geht. Die ständige Suche nach Gründen und die Unberechenbarkeit der Reaktionen des Babys können auf Dauer ziemlich zermürben.

…können sich nicht selbst beruhigen

Selbstregulation beherrschen die meisten Babys noch nicht wirklich gut. High Need Babys scheint diese Fähigkeit jedoch gänzlich zu fehlen. Wenn ein „normales“ Baby schon durch Saugen an seinen Fäustchen oder seinen Nuckel zur Ruhe kommt, braucht ein Baby mit starken Bedürfnissen noch lange jedes Mal seine Eltern dazu und dies mit größtmöglichem Körpereinsatz.

…sind sehr aktiv und unruhig

High Need Babys gehören zu den eher unruhigen Babys, die ständig in Bewegung sind. Liegt der Körper still, sind die Augen wach und folgen jeder Bewegung. Oder die Händchen fuchteln aufgeregt in der Gegend herum. Das Baby steht ständig unter Strom. Sobald es sich fortbewegen kann, wird es das ohne Unterlass tun. Einfach mal entspannt dazuliegen, ist zu viel verlangt. Nicht selten überspringen solche Babys einfach einen Entwicklungsschritt und gehen zum Beispiel vom Liegen nahtlos in den Sitz über oder laufen an Möbeln entlang, bevor sie krabbeln können.

…reagieren sehr sensibel auf Reize

Babys, die mit starken Bedürfnissen geboren werden, reagieren oft besonders auf Reize, die aus ihrer Umwelt auf sie niederprasseln. Ihre Reizschwelle ist besonders niedrig. Jeder Mensch hat einen Filter, der überflüssige Informationen herausfiltert, damit das Gehirn nicht überfordert wird. Dieser entwickelt sich zwar sehr langsam, scheint aber bei High Need Babys besonders schlecht ausgeprägt zu sein. In der Folge nimmt der kleine Mensch viel mehr wahr, als er sollte, und das kleine Gehirn muss mehr arbeiten, als bei anderen Babys.

…schlafen nicht einfach ein

Da Babys mit dieser Eigenart schnell überreizt sind, finden sie nicht so leicht in den Schlaf wie andere Babys. Im Normalfall brauchen sie dazu auch immer die Hilfe ihrer Eltern. Da sie nicht einfach die Augen zumachen, wenn sie überfordert sind, führt das auf Dauer zu Schafmangel und dadurch zu noch mehr Überreiztheit. Auch nachts schlafen solche Babys schlecht wieder von selbst ein. Diese Eigenschaft erhält sich meist noch sehr viel länger als bei anderen Babys. Wenn diese Babys schon längst durchschlafen, schaffen es High Need Kinder oft erst mit etwa 3 Jahren.

…wachen oft auf

Wenn viele Babys durch nichts zu wecken sind, werden High Need Babys durch ihre überdurchschnittliche Wahrnehmung oft beim kleinsten Geräusch wach. Auch jedes körperliche Unbehagen nehmen sie besonders stark wahr, wodurch die Nächte während eines Wachstumsschubes, dem Zahnen oder wenn sie Fieber haben, für die Eltern zur Hölle werden können.

…lassen sich nicht gut ablegen

Spricht man mit anderen Eltern, schwören diese oft darauf, dass Baby einfach mal liegen zu lassen. So einfach ist das bei High Need Babys nicht. Diese machen nämlich beim kleinsten Versuch lautstark klar, dass eine Trennung von der geliebten Mutter oder dem Vater überhaupt keine Option ist. Sie wollen am liebsten immer am Körper getragen werden. Die Vehemenz der Lautäußerung ist mit dem Jammern eines normalen Babys nicht zu vergleichen und löst bei den Eltern immer wieder Stressreaktionen aus.

…wollen oft gestillt werden

High Need Babys scheinen überdurchschnittlich oft gefüttert werden zu wollen. Oft befriedigen sie so gleichzeitig ihr großes Nähebedürfnis. Das Stillen ist dabei die einfachste Form, um dem Baby zuverlässig das zu geben, was es braucht, um sich wohl zu fühlen. Du schlägst quasi zwei Fliegen mit einer Klappe.

…sind sehr ungeduldig

Dein Baby braucht etwas? Wenn es ein High Need Baby ist, wird es keinen Aufschub dulden, auch nicht, wenn du versuchst, es durch verzögerte Antwort zu erziehen. Geduld ist keine Stärke eines solchen Babys und kann im jungen Alter auch noch nicht antrainiert werden.

…klammern besonders stark

Die Tante will das Baby bei der Familienfeier nun auch endlich einmal auf dem Arm halten, aber es wehrt sich nach Kräften? Ganz normal bei einem High Need Baby. Hier scheint die Fremdelphase besonders früh zu beginnen und seeeehr lange anzuhalten. Auch mit neuen Spielgruppen oder Ähnlichem kommen solche Babys oft schlecht zurecht. Und auch bei der Eingewöhnung in der Kita kann es Probleme geben. Meist braucht das Kind sehr viel länger als andere, um die neuen Bezugspersonen wirklich zu akzeptieren und sich von Mama oder Papa lösen zu können.

…fordern ihre Eltern extrem

Wenn Eltern normaler Kinder nach einem halben Jahr schon frisch und rosig durch die Welt laufen, sind Eltern von High Need Babys meist noch nach anderthalb bis zwei Jahren völlig erschöpft. Wenn man rund um die Uhr im Einsatz sein muss und dazu vielleicht noch arbeitet, kostet das Kraft und schwächt das Immunsystem. Da heißt es durchhalten und vor allem Hilfe suchen!

High Need Baby – und was nun?

Du hast dein Baby wiedererkannt? Dann fragst du dich bestimmt, was du tun kannst, um dir selbst und deinem Kind das Leben etwas leichter zu machen. Besonders starke Bedürfnisse zu haben ist eine Charaktereigenschaft, die sich nicht abtrainieren lässt. Der Versuch, ein solches Baby durch Abhärtung zu ändern, kann nur scheitern. Genau genommen wird diese Eigenart mit einiger Wahrscheinlichkeit dein Kind auch später begleiten, wenn auch in abgeschwächter Form. Auch wenn es keine Zauberformel gibt, ein paar Dinge kannst du beachten, damit du diese schwere Zeit gut durchstehst:

  • Werde dir bewusst, was du leisten kannst, ohne selbst umzufallen. Denn nur, wenn du selbst gesund bleibst, kannst du auch für dein Kind da sein. Wenn du dir hingegen immer zu viel zumutest, bekommst du früher oder später die Quittung dafür. Wichtig ist, die eigenen Grenzen zu kennen und zu beachten.
  • Fordere Unterstützung ein, wenn du diese brauchst. Es gibt Eltern, die haben solch ein dickes Fell, dass sie selbst anstrengende Babys versorgen können, ohne an ihre Grenzen gebracht zu werden. Aber das ist selten. Wenn du merkst, dass du Hilfe brauchst, sag dies deutlich. Schwäche zeigen ist hier wichtig, um durchhalten zu können. Wenn dir niemand aus der Familie oder dem Freundeskreis beistehen kann, such dir Hilfe beim Jugendamt. Keine Sorge, dein Baby wird nicht weggenommen. Das Jugendamt wird dir Vereine nennen, die Mütter in seelischer und körperlicher Not kostenlos unterstützen. Sprich außerdem deine Hebamme oder deinen Hausarzt auf deinen Erschöpfungszustand an und bitte um konkrete Hilfe.
  • Pfeif auf ungewollte Ratschläge. Nur wenige Babys haben diese Charakterausprägung. Daher wissen die meisten Menschen auch nicht, was es bedeutet, ein solches Baby rund um die Uhr zu versorgen und ihm dabei gerecht zu werden. Hüte dich deshalb vor Ratschlägen von Menschen, die diese Erfahrung nicht selbst gemacht haben und dir ihren eigenen Erziehungsstil aufzwingen wollen. Die haben schlichtweg keine Ahnung. Vertraue auf dein eigenes Bauchgefühl, du machst alles richtig.
  • Vergleich dein Baby nicht mit anderen. Das bringt nichts und führt nur zu schlechten Gefühlen deinem Baby gegenüber. Dein Baby ist so, wie es ist, und wird sich in seinem eigenen Tempo entwickeln.
  • Reagiere immer sofort, wenn das Baby weint. Das ist der schwerste Part. Gerade Mütter, die alles richtig machen wollen, sind schnell ausgelaugt. Dennoch hilft es, die Bedürfnisse des Babys schnell zu erkennen und zu befriedigen. So steigert es sich nicht in einen Zustand völliger Verzweiflung hinein, in dem es nur schwer wieder zu beruhigen ist. High Need Babys brauchen besonders viel Liebe und Zuwendung. Promptes Reagieren gibt Sicherheit. Wenn du in den ersten Jahren eine enge Bindung zum Kind aufbaust, lohnt sich das auf lange Sicht für euch beide.
  • Lass das Baby, wenn möglich, im Elternbett schlafen. Das Elternbett ist die beste Variante, um besonders nähebedürftige Kinder besser schlafen zu lassen. Die Schlafrhythmen von Mutter und Baby synchronisieren sich und du kannst das Baby schneller beruhigen, wenn es zu erwachen droht. Übrigens, wenn du alle Sicherheitsregeln beachtest, ist das Elternbett sicherer, als wenn das Kind im eigenen Zimmer schläft.
  • Stille, wenn möglich, nach Bedarf. Wenn du stillen kannst, ist das sehr hilfreich, da es die Bindung zwischen Mutter und Baby stärkt und gleich mehrere Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt. Am besten ist es für ein High Need Baby, wenn es nach Bedarf gestillt werden kann. Auch wenn es dann mehr trinkt, als andere Babys, kannst du dein Baby nicht überfüttern.
  • Trag das Baby viel. Der enge Körperkontakt beruhigt das Baby und du hast endlich wieder die Hände frei. Außerdem schläft es sich prima, wenn Mama das Baby beim Gehen sanft hin und her schaukelt, wie es das aus dem Mutterleib kannte.
  • Reduziere Reize, wo es nur geht. Da High Need Babys besonders sensibel auf ihre Umwelt reagieren, ist es sinnvoll, alle Reize auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Schütz das Baby vor zu vielen Menschen, zu viel grellem Licht, zu großer Lautstärke, zu viel Besuch etc. Nach und nach wird sich auch ein solches Kind an seine Umgebung gewöhnen, es dauert meist nur etwas länger als bei anderen.
  • Strukturiere deinen Tag und führe Rituale ein. Je geregelter und vorhersagbarer der Tagesablauf ist, desto sicherer fühlt sich ein Kind. Und auch Babys profitieren bereits von festen Abläufen.
  • Vermeide, wenn möglich, große Veränderungen. High Need Babys reagieren sehr sensibel auf kleinste Veränderungen. Mit großen können sie folglich noch schwerer umgehen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, versuch gut zu planen, damit kein Chaos entsteht und das Baby so wenig wie nötig belastet wird.
  • Versuche, mehr feste Bezugspersonen für dein Baby zu gewinnen. Auch wenn dein Baby stark fremdelt, es wird sich auch an andere Bezugspersonen gewöhnen, wenn es diese häufig sieht. Einmal im Monat ist nicht ausreichend, besser ist mehrmals die Woche. Wenn deine Familie weit weg wohnt, wohnt vielleicht eine Freundin in der Nähe. Oder du freundest dich mit einer vertrauenswürdigen Nachbarin an, die dir später zur Seite stehen kann. Dein Kind wird davon profitieren und später weniger Probleme haben.
  • Denk über eine Tagesmutter statt der Kita nach. Viele High Need Babys tun sich mit großen Gruppen besonders schwer. In normalen Kitas findet zudem oft ein steter Wechsel zwischen den Betreuungspersonen statt. Da dein Baby aller Wahrscheinlichkeit nach eine feste Bezugsperson brauchen wird, müssen die Erzieherinnen entweder besonders verlässlich zur Verfügung stehen oder aber du versuchst, eine Tagesmutter zu finden, die nur wenige Kinder aufnimmt. Diese Konstellation ist der eigenen Familie am ähnlichsten und das Baby hat damit eventuell weniger Probleme.
  • Geh die Eingewöhnung sehr langsam an. Wenn du der Meinung bist, dass dein Kind besonders an dir hängt, plane von Anfang an genug Zeit für die Eingewöhnung ein. Die meisten Kitas bieten etwa 2-3 Wochen Eingewöhnungszeit nach dem Berliner Modell an. Aber selbst das reicht manchmal nicht aus. Besser sind 2-3 Monate. Dazu darf aber auch der Arbeitgeber nicht im Nacken sitzen. Manchmal scheint die Eingewöhnung zu Anfang gut zu laufen, aber nach einigen Monaten, wenn die Faszination nachgelassen hat, weint das Kind bitterlich beim Abgeben. Gib ihm wenn möglich, die Zeit, die es braucht, um sich wirklich wohl zu fühlen.
  • Setz erfüllbare Grenzen. Wenn ein Baby etwa ein Jahr alt ist, beginnt meist die Erziehung. Auch High Need Kinder brauchen Grenzen, aber sie müssen einzuhalten sein. So kann man zum Beispiel nicht verlangen, dass das Baby allein einschläft oder gar durchschläft, wenn es dazu noch nicht bereit ist. Aber das Kind kann lernen, ein klein wenig geduldiger darauf zu warten, dass Mama ihm seine Wünsche erfüllt. Damit ist nicht gemeint, es schreien zu lassen. Aber die Rückversicherung auf Zuruf, dass Mama gleich kommt, muss manchmal genügen.
  • Verwöhn dich selbst, so oft du kannst. Sei nett zu dir. Gönn dir eine Auszeit, so oft es geht. Auch wenn du jetzt noch durchhältst, steht die nächste schwere Phase bestimmt bald bevor und du wirst alle Kraft brauchen, die du aufbringen kannst.
  • Vergiss deinen Partner nicht. Seid nett zueinander. Auch wenn du völlig übermüdet bist, vergiss bei aller Fürsorge für dein Baby deinen Partner nicht. Das Leben mit einem High Need Baby kann jede noch so gute Ehe stark belasten, da Zweisamkeit und Austausch von Zärtlichkeiten völlig in den Hintergrund rücken. Ein guter Partner wird dich unterstützen, aber auch er kann dabei an seine Grenzen geraten.
  • Pass auf dich auf!

Ein Erfahrungsbericht

„Ich merkte sehr früh, dass mein Kind anders als die anderen war. Noch im Krankenhaus schien Emilia einfach nicht zur Ruhe zu kommen. Babys schlafen die ersten Stunden nur? Von wegen, meine Tochter doch nicht! Tagelang wand sie sich hin und her. Nur in meinem Arm kam sie für einige Stunden zur Ruhe. Mit ging es besonders schlecht damit, denn nach tagelanger Einleitung mit anschließendem Notkaiserschnitt hatte ich nicht nur wahnsinnige Schmerzen, sondern auch keinerlei Kraft, um mit der Situation klarzukommen. Glücklicherweise hatten wir ein Familienzimmer. Keine Ahnung, wie ich es sonst geschafft hätte.

Die ersten Monate zuhause ging es so weiter. Emilia schlief einfach nicht ein, lediglich an meiner Brust fand sie in den Schlaf. Nach einer halben Stunde war sie zuverlässig wieder wach. Ablegen konnte ich sie keine Sekunde, weil sie selbst aus dem Schlaf heraus sofort anfing, laut zu weinen, und sich durch nichts beruhigen ließ. Sobald ich sie hochnahm, war alles wieder in Ordnung. Jede der oben genannten Charaktereigenschaften traf auf sie zu. Ich war rund um die Uhr gefordert. Von High Need Babys wusste ich damals nichts. Zum Lesen hatte ich keine Minute Zeit. Also trugen die guten Ratschläge weniger gepeinigter Eltern dazu bei, mich restlos zu verunsichern. Was machte ich falsch? Gut, sie schlief bei mir im Bett, wurde voll gestillt, bekam viel Nähe und ich sprang bei jedem Weinen. Dennoch, sie war nicht so, weil ich ihren starken Bedürfnissen nachkam. Im Gegenteil, all das tat ich, weil ich das Gefühl hatte, dass sie es brauchte. Und ich merkte, dass es half. Immerhin steigerte sie sich nie in das Schreien hinein, wie ich es von anderen schwierigen Babys gehört hatte. Es dauerte dennoch eine Weile, bis ich mir selbst eingestehen konnte, dass ich alles richtig gemacht hatte.

Viel Unterstützung hatte ich nicht. Genau genommen so gut wie gar keine. Mein Mann durfte keine Elternzeit nehmen und arbeitete lange. Meine Familie war nicht verfügbar oder wohnte weit weg. Alle Freunde arbeiteten. Lediglich eine Freundin hatte ein ähnliches Baby und so hatten wir wenigstens eine Schulter zum Ausweinen. Hätte ich gewusst, in welcher Ausnahmesituation ich mich befand, hätte ich rückblickend um mehr Hilfe gebeten. Aber ich dachte, ich muss es selber schaffen, weil andere das ja auch konnten. Das habe ich auch, aber gerade so. Gerade im Winter hatte ich etliche Phasen, wo sich ein Infekt an den nächsten reihte. Funktionieren musste ich trotzdem. Ich denke, ich bin sehr knapp am Rande eines Burnouts vorbei geschlittert.

Mittlerweile ist Emilia 21 Monate alt und hat viel dazu gelernt. Sie ist ein tolles Mädchen, ganz ohne Frage, jedoch die typischen Eigenschaften haben sich nicht geändert. Wenn ich sie mit wenigen Worten beschreiben müsste, wären diese aufgeweckt, verschmust, fordernd und laut. Es ist nach wie vor schwer, vor allem, wenn sie wieder ihre besonders unruhigen Nächte hat und das kommt noch oft genug vor. Aber es ist dennoch leichter geworden, sie versteht mehr und ist mitunter sogar kooperativ. Nun steht die Trotzphase kurz bevor … mal sehen, was die Zukunft bringt.“

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