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Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese): Das solltest du darüber wissen

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Denkst du über eine Fruchtwasseruntersuchung nach? Dann erhältst du in diesem Artikel alle wichtigen Informationen, um eine für dich richtige Entscheidung treffen zu können. Denn ganz ohne Risiko ist eine solche Untersuchung nicht. Wir klären dich auf.

Was ist eine Fruchtwasseruntersuchung?

Die Fruchtwasseruntersuchung, auch Amniozentese genannt, zählt zur invasiven Pränataldiagnostik. Dabei entnimmt der Arzt mit einer Hohlnadel durch die Bauchdecke Fruchtwasser direkt aus der Gebärmutter. Der etwa 2-minütige Eingriff geschieht meist ohne Betäubung, weil der Stich nicht mehr schmerzt, als eine Blutentnahme. Während des Eingriffs zeigt ein Ultraschall, ob die Nadel am richtigen Platz sitzt. Das Fruchtwasser enthält Zellen und Proteine des Fötus. Dadurch lassen sich einige Behinderungen und Fehlbildungen frühzeitig feststellen.

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Das lässt sich damit erkennen

Die aus dem Fruchtwasser extrahierten Zellen enthalten alle 23 Chromosomenpaare. Anhand dieser Chromosomen lassen sich Anomalien feststellen. So kann ein Genetiker Trisomie 21, Trisomie 18 und Trisomie 13 allein an der Zahl der Chromosomen festmachen. Die weitergehende DNA-Untersuchung gibt Aufschluss über etwaige Erbkrankheiten und bestimmte Stoffwechselstörungen. Jedoch können nicht alle genetischen Störungen, Stoffwechsel-, oder Erbkrankheiten erkannt werden.

Im Fruchtwasser schwimmende Proteine verraten einen offenen Rücken (spina bifida) und Bauchwanddefekte. Auch Infektionen wie z.B. Toxoplasmose lassen sich so nachweisen. Findet die Fruchtwasseruntersuchung zu einem späteren Zeitpunkt statt, gibt sie Aufschluss über Blutgruppenunverträglichkeiten und die Lungenreife. Auch das Geschlecht eines Kindes lässt sich so bestimmen.

Ein vorläufiges Ergebnis gibt es nach ein paar Tagen. Das endgültige Ergebnis steht erst nach etwa zwei bis drei Wochen fest.

Der richtige Zeitpunkt für eine Amniozentese

In der Frühschwangerschaft ist die Gefahr einer Fehlgeburt aufgrund der Amniozentese zu hoch. Außerdem reicht die Zahl der kindlichen Zellen im Fruchtwasser dann noch nicht aus. Deshalb erfolgt eine Fruchtwasseruntersuchung normalerweise zwischen der 14. und 19. Schwangerschaftswoche. In Einzelfällen kann sie auch noch später durchgeführt werden. Allerdings steigt dann die Gefahr, dass die Hohlnadel den Fötus verletzt, da er nun mehr Raum in der Gebärmutter beansprucht.

Wem wird zu einer Amniozentese geraten?

Zur Untersuchung des Fruchtwassers raten Ärzte nicht mehr so häufig wie früher. Denn mittlerweile führt erst die Kombination einiger Faktoren wie dem Alter der Schwangeren, einer auffälligen Nackentransparenzmessung und ebenfalls auffälligen Serumwerten zu einer solchen Empfehlung.

Die Gründe für eine Fruchtwasseruntersuchung können sein:

  • Die Schwangere ist über 35
  • Es gab Auffälligkeiten im Ultraschall oder beim Ersttrimesterscreening
  • Es wurden auffällige Werte im Blutserum entdeckt
  • In der Familie gibt es Erbkrankheiten wie Stoffwechsel- oder Muskelerkrankungen
  • Ein älteres Geschwisterkind hat eine Chromosomenstörung
  • In vorangegangene Schwangerschaften gab es einen Neuralrohrdefekt oder eine Fehlgeburt aufgrund einer Chromosomenstörung

Ob du einer solchen Empfehlung zustimmst, ist deine Entscheidung. Denn eine Fruchtwasseruntersuchung ist nicht ohne Risiko, aber dazu gleich mehr. Wichtig ist es, dass du im Hinterkopf behältst, dass sich im Schnitt nur 2% der Verdachtsfälle bestätigen.

Nutzen versus Risiko

Ja, eine Fruchtwasseruntersuchung kann dabei helfen, Behinderungen und Erbkrankheiten rechtzeitig zu erkennen. Je älter die Schwangere ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass es Fehler bei der Zellteilung gibt. Das Risiko ein in irgendeiner Form eingeschränktes Kind zu bekommen steigt also. Da kann eine Fruchtwasseruntersuchung Klarheit bringen und beruhigen.

Doch auch wenn der Eingriff meist schmerzfrei ist, ein Restrisiko bleibt. Denn immerhin sticht der Arzt durch die Bauchdecke in die sonst gut geschützte Fruchtblase hinein. Dies geschieht zwar mithilfe von Ultraschall, kann aber dennoch daneben gehen, wenn sich das Kind beispielsweise plötzlich bewegt.

Folgende Risiken gibt es:

  • Verletzungen beim Baby oder an der Gebärmutter
  • Vaginale Blutungen
  • Infektionen
  • Kontraktionen und vorzeitiger Blasensprung
  • Fehlgeburt

Das wahre Risiko einer Fehlgeburt

Allgemein wird angegeben, dass das Risiko einer Fehlgeburt nach einer Fruchtwasseruntersuchung bei 1% liegt. Je älter die Frau, desto höher das Risiko.

Bei einer retrospektiven Studie aus dem Jahr 2003 kam jedoch heraus, dass abhängig von Alter und vorangegangen Schwierigkeiten bis zu 8% der Frauen im Anschluss eine Fehlgeburt erlitten. Einige davon hätten eventuell auch ohne den Eingriff eine Fehlgeburt gehabt, aber das Risiko war bis zu 3fach erhöht.

  • 20 – 34 Jahre 2,5%
  • 35 – 39 Jahre 3,4%
  • 40+ Jahre 5,1%
  • vorangegangene Vaginalblutungen 6.5%
  • vorangegangene Fehlgeburten oder Abbrüche 8%

Eine einfache Rechnung anhand des Beispiels des Down-Syndroms offenbart, dass das Risiko einer Fehlgeburt den Nutzen der Untersuchung meist übersteigt, zumindest dann, wenn man es am Alter der Schwangeren festmacht:

Alter der Schwangeren Babys mit Down-Syndrom Risiko einer Fehlgeburt wegen Amniozentese
40-45 2,00% 5,10%
35-39 0,38% 3,40%
20-34 0,28% 2,50%

Folgen des Befundes bedenken

Zusätzlich zu den oben genannten Gefahren des Eingriffs gibt es noch weitere Risiken. Denn du musst dir darüber klar werden, was es bedeutet, wenn du nach der Fruchtwasseruntersuchung mitten in der Schwangerschaft einen Befund in der Hand hältst, der dein ganzes Leben verändern könnte:

Würdest du das Kind behalten? Wie würde die weitere Schwangerschaft verlaufen, wenn du es wüsstest und dich für dein Kind entscheidest?

Wenn du das Kind nicht bekommen willst, ist eine Abtreibung ebenfalls nicht leicht. Nach etlichen Wochen der Schwangerschaft hast du schon eine Beziehung zu deinem Ungeborenen aufgebaut. Sein Leben bewusst zu beenden, kann psychische Schäden bei dir und deinem Partner hinterlassen. Die Selbstvorwürfe kommen oft erst später.

Und wer weiß, wie eingeschränkt dein Kind tatsächlich wäre? Denn selbst Trisomie 21 gibt es in den verschiedensten Abstufungen. Einige Kinder mit diesem Defekt haben sogar studiert. Ja, eine Behinderung oder Erbkrankheit ist eine große Belastung. Dennoch empfinden viele Eltern ihre eingeschränkten Kinder als ein Geschenk, weil sie sie lehren, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

trisomietrisomie

Um solche und andere Fragen zu klären, wird der Arzt mit der Schwangeren vor dem Eingriff immer persönlich sprechen und sie beraten.

Das sind die Kosten einer Fruchtwasseruntersuchung

Wenn eine Fruchtwasseruntersuchung medizinisch angeraten ist, übernimmt die Kasse alle anfallenden Kosten. Das gilt generell auch, wenn die Schwangere bereits älter als 35 ist. Wenn du den Eingriff jedoch wünschst, ohne dass er tatsächlich nötig ist, musst du ihn selbst zahlen. Die Kosten dafür musst du leider beim Arzt erfragen. Sie dürften sich aber einschließlich Labor auf etwa 700 Euro belaufen. Sicher ist das aber nicht, da sich dazu keine offiziellen Informationen finden.

Diese Alternativen gibt es

Wenn du dich gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entscheidest, hast du dennoch ein paar Möglichkeiten, um ohne invasive Maßnahmen etwas mehr Klarheit zu erhalten.

Die erste ist die Nackentransparenzmessung. Diese wird zwischen der 10. und der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Je erfahrener der Untersuchende ist, desto genauer sind die Ergebnisse. Mit dieser Untersuchung lässt sich schon besser einschätzen, ob das Risiko beispielsweise einer Trisomie erhöht ist und der Arzt deshalb zu einer Fruchtwasseruntersuchung rät. Diese Untersuchung ist jedoch eine IGeL-Leistung und muss selbst übernommen werden.

Ein zweiter Test ist der PraenaTest. Er muss ebenfalls selbst gezahlt werden und kostet etwa 1.200 Euro. Manche privaten Krankenkassen beteiligen sich zumindest zu 50% an den Kosten. Des weiteren wird es 2019 im Bundestag eine Debatte darüber geben, ob die Krankenkassen solche Gentests übernehmen sollen oder nicht. In diesem Verfahren werden kindliche Zellen aus dem mütterlichen Blut extrahiert und auf Trisomien untersucht. Es ist zu 99% sicher und das Ergebnis steht nach 2 Wochen fest.

Jedoch bleibt auch hier der bittere Beigeschmack. Denn was bedeutet ein positives Ergebnis für die Eltern und das ungeborene Kind? Die letzte Alternative, ist nicht die schlechteste: Zuversichtlich bleiben und abwarten, was das Leben für dich bereit hält. Denn meistens geht eben doch alles gut. Und auch in einem schwierigen Schicksal steckt immer eine große Chance 🙂

Hast du bereits Erfahrungen mit einer Fruchtwasseruntersuchung gemacht oder hast Fragen dazu? Schreib uns gern einen Kommentar!

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