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Düsseldorfer Tabelle 2019: Die Unterhaltstabelle

Um Kindesunterhalt, Ehegattenunterhalt oder Elternunterhalt berechnen zu können, gibt es die Düsseldorfer Tabelle. Sie vereinfacht die Arbeit von Jugendämtern und Familiengerichten, hilft aber auch, wenn ihr euch ohne Hilfe von außen gütlich einigen wollt. Aber wie liest man die Tabelle richtig? Was bedeuten die einzelnen Komponenten und welche Ausnahmen gibt es? Wir bringen dir Klarheit und zeigen anhand von Rechenbeispielen, wie die Düsseldorfer Tabelle genau funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Leitlinie, kein Gesetz!
  • Sie hilft bei der Berechnung von Kindesunterhalt, Ehegattenunterhalt und Verwandtenunterhalt sowie Unterhalt für unverheiratete Mütter/Väter.
  • Grundlage bildet der Mindestunterhalt der jeweiligen Altersstufe sowie das Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen.
  • Ein Mangelfall liegt vor, wenn der Unterhaltspflichtige auch den in der niedrigsten Stufe errechneten Betrag für mehrere Empfänger nicht aufbringen kann. Dann wird gleichmäßig verteilt.
  • Gegenüber volljährigen nicht-privilegierten Kindern gilt ein höherer Selbstbehalt.
  • Auch für die anderen Unterhaltsformen gibt es andere Selbstbehalte. Hier werden die Beträge nicht mit der eigentliche Tabelle berechnet, sondern sie ergeben sich aus der anteiligen Verteilung des Einkommens.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Leitlinie des Düsseldorfer Oberlandesgerichtes zum Thema Unterhalt. Sie ist nicht verbindlich, soll aber die Berechnung der verschiedenen Familiengerichte vereinheitlichen und Unterhaltszahlungen damit gerechter machen. Die tatsächliche Höhe des Unterhaltes bleibt aber immer eine Einzelfallentscheidung.

Sie gilt nicht nur für Kindesunterhalt

Die Düsseldorfer Tabelle gibt nicht nur die für den Kindesunterhalt üblichen Sätze an. Auch andere Unterhaltsformen werden durch die Klauseln im Dokument abgedeckt. Die Richtlinie besteht aus 4 Teilen:

  • dem Kindesunterhalt,
  • dem Ehegattenunterhalt,
  • dem Verwandtenunterhalt und Unterhalt für Mütter/Väter nichtehelicher Kinder
  • der Mangelfallberechnung.

So liest du die Düsseldorfer Tabelle richtig

Die eigentliche Düsseldorfer Tabelle setzt sich aus verschiedenen Größen zusammen:

  • zehn Einkommensstufen (Nettoeinkommen des Barunterhaltspflichtigen)
  • zehn Prozentsätze für die Einkommenstufen
  • den Bedarfskontrollbeträgen für die jeweilige Einkommenstufe
  • vier Altersstufen der Unterhaltsberechtigten

Die Düsseldorfer Tabelle 2019

Die Sätze aktualisieren sich meist jedes Jahr. Auch 2019 gab es wieder Änderungen. Wir haben die Haupttabelle der Leitlinie von 2019 leicht vereinfacht dargestellt. Die vollständige Tabelle nebst Anhängen findest du auf der Webseite des Oberlandesgericht Düsseldorf).

Nettoeinkommen Altersstufen Bedarfskontrollbetrag
0 – 5 Jahre 6 – 11 Jahre 12 – 17 Jahre ab 18 Jahre
1. Stufe bis 1.900 354 Euro 406 Euro 467 Euro 527 Euro 880 / 1.080 Euro
2. Stufe 1.901 – 2.300 372 Euro 427 Euro 500 Euro 554 Euro 1.300 Euro
3. Stufe 2.301 – 2.700 390 Euro 447 Euro 524 Euro 580 Euro 1.400 Euro
4. Stufe 2.701 – 3.100 408 Euro 467 Euro 548 Euro 607 Euro 1.500 Euro
5. Stufe 3.101 – 3.500 425 Euro 488 Euro 572 Euro 633 Euro 1.600 Euro
6. Stufe 3.501 – 3.900 454 Euro 520 Euro 610 Euro 675 Euro 1.700 Euro
7. Stufe 3.901 – 4.300 482 Euro 553 Euro 648 Euro 717 Euro 1.800 Euro
8. Stufe 4.301 – 4.700 510 Euro 585 Euro 686 Euro 759 Euro 1.900 Euro
9. Stufe 4.701 – 5.100 539 Euro 618 Euro 724 Euro 802 Euro 2.000 Euro
10. Stufe 5.101 – 5.500 567 Euro 650 Euro 762 Euro 844 Euro 2.100 Euro
ab 5.501 nach den Umständen des Falles

Darauf basieren die Sätze

Grundlage der Berechnungen bildet der Mindestunterhalt der Altersgruppe von 6-11 in der geringsten Einkommensstufe. Er wird mit 100% angesetzt und wird mindestens alle zwei Jahre für die kommenden zwei Jahre neu beschlossen. Der Mindestunterhalt der anderen drei Altersgruppen beträgt 87% für die Altersgruppe 0-5, 117% für die Altersgruppe 12-17 und 134% für die Altersgruppe 18+.

Auch die zehn Einkommensstufen werden mithilfe von Prozenten berechnet. Der Einfachheit halber musst du aber nicht selbst multiplizieren, denn die Werte sind bereits angegeben.

Diese Informationen musst du vorher haben

Um die passenden Unterhaltssätze ermitteln zu können, benötigst du folgende Informationen:

  • Alter des Unterhaltsberechtigten
  • Berücksichtigungsfähiges Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen
  • Anzahl der Unterhaltsberechtigten:
    Die Haupttabelle geht von zwei Unterhaltsberechtigten aus, also z.B. zwei Kindern oder einem Kind und einem Ex-Partner. Sind es mehr oder weniger, gilt die nächst niedrigere oder nächst höhere Stufe. Wie viel dann jeweils zu zahlen ist, findest du in den Hilfstabellen im Anhang des oben verlinkten Dokumentes des Oberlandesgerichtes Düsseldorf.

Das, was dem Unterhaltspflichtigen nach Abzug von Unterhaltszahlungen bleibt, muss über dem Bedarfskontrollbetrag der jeweiligen Einkommensgruppe liegen, sonst rutscht er in die niedrigere Einkommensstufe.

Bedarfskontrollbetrag ist meist nicht gleich Selbstbehalt

Der Bedarfskontrollbetrag steht in der rechten Spalte der Düsseldorfer Tabelle. Er dient dazu, Härten für den Unterhaltspflichtigen zu vermeiden und eine gleichmäßige Verteilung zwischen Unterhaltsberechtigten und Unterhaltspflichtigem zu erreichen. Rutscht dieser nämlich bei der Unterhaltsberechnung unter diesen Betrag, wird die nächst niedrigere Stufe zur Berechnung heran gezogen. Der Selbstbehalt liegt im Normalfall noch niedriger als der Bedarfskontrollbetrag. Lediglich in der niedrigsten Stufe sind Bedarfskontrollbetrag und Selbstbehalt identisch.

Das wird vorher vom Nettoeinkommen abgezogen

Nettoeinkommen und bereinigtes Nettoeinkommen sind nicht dasselbe. Bevor der Unterhalt berechnet wird, wirken bestimmte Ausgaben einkommensmindernd. Dazu zählen:

  • berufsbedingte Ausgaben wie z.B. Fahrtkosten bis maximal 150 Euro im Monat
  • höhere Wohnkosten, als in der Pauschale des Eigenbedarfs enthalten sind
  • Kosten für eine private Krankenversicherung
  • berücksichtigungsfähige Schulden

Übrigens: Ein sich aus einer eigenen Immobilie ergebender Wohnvorteil kann auf das Einkommen jedoch aufgeschlagen werden.

Unterhalt minus die Hälfte vom Kindergeld

Die in der Haupttabelle angegebenen Unterhaltsbeträge sind keine Auszahlungsbeträge. Da das Kindergeld nur an einen Empfänger gezahlt werden kann (im Normalfall die Person, bei der das Kind lebt), wird es hälftig vom zu zahlenden Unterhalt abgezogen, solange das Kind minderjährig ist. Ab 18 erhält es selbst das volle Kindergeld. Daher wird es ab diesem Zeitpunkt komplett abgezogen.

So berechnest du den Kindesunterhalt mithilfe der Düsseldorfer Tabelle

Rechenbeispiel 1 Kind

Der getrennt lebende Vater eines 16-jährigen Kindes hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 2.200 Euro. Davon sind eine Kreditrate von 100 Euro und 110 Euro berufsbedingte Fahrtkosten im Monat bereits abgezogen.

Er fällt also erst einmal in die zweite Stufe. Da er jedoch nur für ein Kind zahlen muss, wird er automatisch in die dritte Stufe eingruppiert. Laut Düsseldorfer Tabelle beträgt sein Bedarfskontrollbetrag daher 1.400 Euro.

In der dritten Stufe muss er für sein 16-jähriges Kind 524 Euro Kindesunterhalt zahlen. Davon zieht man jedoch noch 102 Euro (Hälfte des Kindergeldes ab 07.2019) ab. Es bleiben 422 Euro Kindesunterhalt und für den Vater noch 1.778 Euro zum Leben. Er rutscht also in diesem Beispiel nicht unter den Bedarfskontrollbetrag.

Rechenbeispiel 2 Kinder

Hatte das Paar zum Beispiel noch ein weiteres Kind im Alter von 14 Jahren, wird er automatisch in der zweiten Stufe eingruppiert. Es würden pro Kind in dieser Altersgruppe 398 Euro fällig (500 Euro Unterhalt – 102 Euro Kindergeld). Mit den zu zahlenden 796 Euro rutscht der Vater ebenfalls nicht unter die 1.300 Bedarfskontrollbetrag in der zweiten Stufe. Es bleiben ihm 1.404 Euro zum Leben.

Rechenbeispiel 3 Kinder

Hätte das Paar drei Kinder im Alter von 4, 14 und 16, käme der Vater in die erste Stufe. Dort müsste er abzüglich hälftigem Kindergeld einmal 249 Euro und zweimal 374 Euro zahlen, also insgesamt 997 Euro (Stand: Kindergeld 2019). Er hätte dann noch 1.203 Euro übrig. Läge sein Gehalt so niedrig, dass er unter den Selbstbehalt von 1.080 Euro rutschen würde, käme es zu einer Kürzung des Unterhalts der Kinder (Siehe Mangelfall weiter unten). Er kann aber in diesem Fall vom Jugendamt dazu angehalten werden, einen Nebenjob anzunehmen, um den Mindestbedarf seiner Kinder decken zu können. Auch eine neue Partnerschaft oder Wohneigentum können sich in diesem Fall auf den Selbstbehalt auswirken.

Ausnahme volljährige nicht-privilegierte Kinder

Unverheiratete Kinder ab 18, die noch zuhause wohnen und sich in der Grundausbildung befinden, gelten vor dem Gesetz als privilegiert. Sie sind damit minderjährigen Kindern gleichgestellt und es gelten dieselben Richtsätze. Wohnt ein solches Kind jedoch nicht mehr zuhause, gilt für den Unterhaltspflichtigen in der niedrigsten Stufe automatisch der angemessene Eigenbedarf von 1.300 Euro (statt 1.080 Euro für Erwerbstätige). Diese Kinder gehen also oft leer aus, wenn der Unterhalt für vorzuziehende Kinder alle Reserven ausschöpft.

Wenn der Unterhaltspflichtige nicht genug zahlen kann

Reicht das Einkommen nicht aus, um selbst in der niedrigsten Stufe den vollen Satz für alle Berechtigten zahlen zu können, liegt ein Mangelfall vor. In diesem Fall wird der Unterhalt gleichmäßig auf alle Berechtigten verteilt.

Beispiel eines Mangelfalls

Der getrennt lebende Vater hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 1.400 Euro. Er muss für drei Kinder zahlen (K1 ist 5, K2 ist 7 und K3 ist 12). Die Mutter erhält 204 Euro Kindergeld für K2 und K3 und 210 Euro für K1 (das jüngste Kind). Die Hälfte davon wird jeweils vom Unterhalt abgezogen.

Eigentlich müsste der Vater laut Tabelle in der niedrigsten Einkommensstufe insgesamt 927 Eurozahlen.

354 Euro (Altersgruppe 1) – 105 Euro Kindergeld = 249 Euro für Kind 1
+ 406 Euro (Altersgruppe 2) – 102 Euro Kindergeld = 304 Euro für Kind 2
+ 476 Euro (Altersgruppe 3) – 102 Euro Kindergeld = 374 Euro für Kind 3
249 + 304 + 374 = 927 Euro

Es verbleiben bis zum Selbstbehalt von 1.080 Euro jedoch nur insgesamt 320 Euro, die nun mithilfe des Dreisatzes gerecht verteilt werden müssen. Der tatsächliche Unterhalt wird dann so errechnet:

K1: 249 Euro x 320 Euro : 927 Euro = 85,95 Euro
K2: 304 Euro x 320 Euro : 927 Euro = 104,94 Euro
K3: 374 Euro x 320 Euro : 927 Euro = 129,10 Euro

Den meisten alleinerziehenden Eltern wird es herzlich egal sein, welches Kind wie viel bekommt, denn es fließt letztlich meist alles in einen Topf. Wenn es aber noch Unterhaltsansprüche von Kindern gibt, die nicht zu dieser Familie gehören, ist es relevant. Auch wenn eines der Kinder volljährig und nicht privilegiert ist, spielt die Verteilung eine große Rolle.

Selbstbehalte für andere Unterhaltsformen

Für die Berechnung der anderen Unterhaltsformen gilt nicht die eigentliche Tabelle, sondern die Richtlinien in den Absätzen darunter.

Verwandtenunterhalt

Wer zum Beispiel für seinen pflegebedürftigen Vater zahlen soll, der seinen Heimplatz nicht selbst finanzieren kann, hat einen höheren Selbstbehalt von 1.800 Euro. Lebt der Unterhaltspflichtige in einer Ehe, hat sein Ehepartner ihm gegenüber einen Selbstbehalt von 1.440 Euro. Das heißt, wenn das Kind der bedürftigen Eltern nicht selbst genug zahlen kann, muss der Ehepartner unter Umständen bis zu dieser Grenze mithaften.

Unterhalt für Ehegatten oder unverheiratete Mütter/Väter

Wenn beispielsweise eine Mutter des gemeinsamen Kindes unterhaltsberechtigt ist, das Paar aber nicht verheiratet war, gilt ein Selbstbehalt von 1.200 Euro unabhängig davon, ob der Unterhaltspflichtige arbeitet oder nicht. Gleiches gilt bei der Berechnung von Ehegattenunterhalt.

Beim Kindesunterhalt ist das anders. Dort gelten in der niedrigsten Einkommensstufe 880 Euro für Erwerbslose und 1.080 Euro für Erwerbstätige.

So berechnest du den Unterhalt für geschiedene Ehegatten

Der Ehegattenunterhalt ist dem Kindesunterhalt nachgestellt. Er setzt die tatsächliche Bedürftigkeit des Unterhaltsberechtigten und natürlich die Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen voraus.

  • Ist der geschiedene Ehegatte nicht selbst erwerbstätig, erhält er 3/7 des Erwerbseinkommen und 50% sonstiger anrechenbarer Einkünfte.
  • Ist er ebenfalls erwerbstätig, erhält er 3/7 der Differenz der Erwerbseinkommen und 50% sonstiger anrechenbarer Einkünfte.
  • Ist der Unterhaltspflichtige Rentner, wird alles zu 50% geteilt.

Es gilt in allen diesen Fällen ein Selbstbehalt von 1.200 Euro inklusive 430 Euro Warmmiete.

Beispiel für Ehegattenunterhalt

Der Mann hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 2.500 Euro. Die Frau verdient nur 800 Euro. Außerdem bezieht der Mann 500 Euro anrechenbare Mieteinnahmen aus einer Eigentumswohnung.

Die 3/7 der Differenz aus 2.500 Euro und 800 Euro (2.500 – 800 = 1.700 Euro) sind 728,57 Euro. Außerdem kommt die Hälfte von 500 Euro, also 250 Euro hinzu. Das macht zusammen 978,57 Euro, die der Mann an seine Ex-Frau zahlen müsste, bis diese auf eigenen Beinen stehen kann. Sie hat also vorerst 1778,57 Euro zur Verfügung. Ihm selbst bleiben 2021,43 Euro übrig. Er bleibt damit weit über dem Selbstbehalt von 1.200 Euro. Würde er dies nicht tun, bekäme die Frau entsprechend weniger.

Hatten die beiden ein gemeinsames Kind, das ebenfalls unterhaltsberechtigt ist, wird diesem der Kindesunterhalt zuerst gezahlt. Was dann übrig bleibt, wird entsprechend aufgeteilt.

Übrigens: Wenn die Frau im gemeinsamen Haus wohnen bleibt, kann sich daraus ein Wohnvorteil ergeben, der in die Bewertung mit einfließen würde.

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